Deutschland - Rüstungsexporte

Ein deutscher Panzer im Einsatz
Wiki | Łukasz Golowanow & Maciek Hypś, Konflikty.pl

➡️ Deutsche Waffenexporte - Kritisches zu Rüstungsfirmen, Empfänger und Parteipositionen

Deutschland gehört derzeit zu den größten Exporteuren von Rüstungsgütern weltweit. Nach aktuellen Daten des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI ist die Bundesrepublik im Zeitraum 2021 bis 2025 zum viertgrößten Waffenexporteur der Welt aufgestiegen und hat damit China überholt.

Davor liegen nur noch Frankreich, Russland und die USA, die mit 42 % am globalen Waffenhandel immer noch deutlich den Weltmarkt dominieren. Der Anteil Deutschlands am weltweiten Export schwerer Waffen liegt bei 5,7 %. Insgesamt stieg das Volumen der deutschen Waffenexporte in diesem Zeitraum im Vergleich zu den Jahren 2016 bis 2020 um etwa 15 %.

Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist der Krieg in der Ukraine und die allgemein gestiegene Nachfrage nach militärischer Ausrüstung. Rund 24 % der deutschen Waffenlieferungen gingen in den letzten fünf Jahren an die Ukraine, vor allem im Rahmen militärischer Unterstützung. 2024 wurden Waffenexporte im Wert von etwa 12,8 Milliarden Euro genehmigt, davon rund 8,15 Milliarden Euro für die Ukraine. Im vergangen Jahr waren es dann nur noch 2 Milliarden Euro.

Insgesamt gingen etwa 90 % der Exporte 2025 an EU-, NATO- oder gleichgestellte Partnerstaaten, die angesichts der veränderten Sicherheitslage ihre Streitkräfte stärker aufrüsten. Vor allem die unsicheren Beziehungen zu den USA und das angespannte Verhältnis zu Russland hat viele europäische Staaten dazu bewegt mehr in den eigenen Militär- und Verteidigungssektor zu investieren.

Zu den exportierten Systemen zählen vor allem schwere Waffensysteme wie Kampfpanzer, Kriegsschiffe, Militärhubschrauber, Artilleriesysteme oder Kampfflugzeuge. In den Statistiken werden dabei nicht nur finanzielle Werte berücksichtigt, sondern auch der Umfang der gelieferten militärischen Ausrüstung anhand spezieller SIPRI-Indikatoren gemessen.

Parallel dazu haben sich auch die deutschen Waffenimporte deutlich erhöht: Sie stiegen im Vergleich zum Zeitraum 2016–2020 um das Zehnfache, was unter anderem mit neuen Beschaffungsprogrammen der Bundeswehr zusammenhängt. Auf diese Entwicklungen machen Organisationen wie die Aktion Aufschrei Waffenhandel von Jürgen Grässlin oder Ohne Rüstung leben aufmerksam.

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Weltweite Rüstungsexporte bis 2024
statista 2024

Die größten Rüstungsfirmen aus Deutschland

Der größte deutsche Waffenhersteller ist Rheinmetall. Das Unternehmen produziert unter anderem Kampfpanzer, gepanzerte Fahrzeuge, Artilleriesysteme, Luftverteidigung und Munition. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Rheinmetall einen Gesamtumsatz von 9,9 Milliarden Euro, was einem Wachstum von 29 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Allein im Jahr 2023 exportierte Rheinmetall Rüstungsgüter im Wert von 3 Milliarden Euro und profitierte stark von steigender Nachfrage durch NATO-Staaten. Wichtige Abnehmer sind Länder in Europa wie Polen, die Niederlande oder Norwegen sowie die Ukraine.

Ein weiterer zentraler Akteur ist Airbus Defence and Space. Die Sparte des Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus produziert militärische Transportflugzeuge wie den A400M, Satelliten, Drohnen sowie Komponenten für den Eurofighter-Kampfjet. Die gesamte Verteidigungssparte von Airbus erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von 12 Milliarden Euro und gehört damit zu den größten militärischen Luftfahrtproduzenten Europas.

Auch Hensoldt spielt eine wichtige Rolle: Das Unternehmen stellt Radar-, Sensor- und Aufklärungssysteme für Flugzeuge, Schiffe und Luftverteidigung her. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Hensoldt einen Umsatz von 2,46 Milliarden Euro und verzeichnete gleichzeitig einen stark steigenden Auftragseingang durch höhere Verteidigungsausgaben in Europa.

Im Bereich Marinewaffen gehört ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) zu den bedeutendsten deutschen Herstellern. Der Konzern baut U-Boote und Fregatten, die unter anderem an Staaten im Nahen Osten und in Asien exportiert werden. TKMS erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro und verfügt über einen Auftragsbestand von mehr als 20 Milliarden Euro.

Ebenfalls wichtig ist KNDS, ein europäischer Panzerhersteller mit deutscher Beteiligung, der vor allem Kampfpanzer wie den Leopard 2 sowie Artilleriesysteme produziert und diese vor allem an NATO-Partner exportiert. Der Konzern erzielt inzwischen mehrere Milliarden Euro Umsatz pro Jahr und gehört zu den wichtigsten Herstellern gepanzerter Fahrzeuge in Europa.

Deutsche Rüstungsexporte für Israel
Statista 2023

Exporte in die Ukraine und Israel

Deutsche Waffen werden in mehreren aktuellen Konfliktregionen eingesetzt, besonders im Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Deutschland gehört seit 2022 zu den wichtigsten militärischen Unterstützern der Ukraine und hat bis 2025 Waffen und militärische Ausrüstung im Wert von mehr als 28 Milliarden Euro zugesagt oder geliefert.

Dazu gehören unter anderem Kampfpanzer Leopard 1 und Leopard 2, Schützenpanzer Marder, Panzerhaubitzen 2000, Flugabwehrsysteme IRIS-T sowie Flakpanzer Gepard. Diese Systeme werden unter anderem zur Luftverteidigung, zur Artillerieunterstützung und zum Schutz von Städten und Infrastruktur eingesetzt. Zusätzlich wurden tausende Flugabwehrraketen, hunderte Panzerabwehrwaffen sowie große Mengen Munition und militärische Fahrzeuge geliefert.

Auch nach Israel wurden zuletzt umfangreiche Rüstungsgüter exportiert. Zwischen dem 7. Oktober 2023 und Mai 2025 genehmigte die Bundesregierung Waffenexporte im Wert von etwa 485 Millionen Euro. Geliefert wurden unter anderem Komponenten für gepanzerte Fahrzeuge, Artilleriesysteme, Munition sowie U-Boote, die als Träger für eine mögliche nukleare Zweitschlagskapazität Israels genutzt werden.

Diese Lieferungen sind politisch stark umstritten. Hintergrund ist die militärische Offensive Israels im Gazastreifen nach dem Angriff der Hamas im Oktober 2023, bei der nach Angaben internationaler Organisationen zehntausende Menschen getötet wurden, darunter viele Zivilisten. Große Teile der Infrastruktur wurden zerstört und die humanitäre Lage verschlechterte sich erheblich. Auch Menschenrechtsverletzungen durch die israelische Armee wurden dokumentiert.

Organisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch warnen daher, dass deutsche Waffenexporte in aktive Kriegsgebiete das Risiko erhöhen, dass diese bei Angriffen eingesetzt werden, die gegen das humanitäre Völkerrecht verstoßen. Einige Organisationen fordern deshalb strengere Prüfungen oder einen Stopp solcher Lieferungen. Die Bundesregierung verweist dagegen auf Israels Recht auf Selbstverteidigung und Deutschlands besondere historische Verantwortung.

Deutsche Rüstungsexporte weltweit 2011-2022
statista 2022

Exporte in andere Länder

Auch die Türkei gehört zu den wichtigsten Empfängern deutscher Rüstungsgüter im Nahen Osten. 2025 erreichten die Waffenexporte dorthin mehr als 742 Millionen Euro. Geliefert werden vor allem Schiffskomponenten, militärische Elektronik und Ersatzteile. Als NATO-Mitglied gilt die Türkei als wichtiger Partner Deutschlands. Gleichzeitig wird diese Exportpolitik wegen militärischer Einsätze der Türkei in Syrien, dem radikalen Vorgehen gegen die Kurden (auch mittels deutscher Leopard 2 Kampfpanzer) und wegen Einschränkungen von Demokratie und Pressefreiheit im Land kritisch diskutiert.

Die jüngsten Lieferungen nach Saudi-Arabien sind deutlich geringer. 2023 wurden Waffenexporte im Wert von etwa 13,3 Millionen Euro genehmigt. Dennoch bleibt das Land wegen seiner Menschenrechtslage und seiner Rolle im Krieg im Jemen international umstritten. Besonders der Mord am Journalisten Jamal Khashoggi 2018 führte dazu, dass Deutschland zeitweise einen Exportstopp verhängte.

Auch andere Golfstaaten wie Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Kuwait importierten in den letzten Jahren deutsche Militärtechnik, etwa Fahrzeuge, Sensor- und Radarsysteme oder Schiffsausrüstung. Da viele dieser Staaten autoritär regiert werden, durch Menschenrechtsverletzungen auffallen und teilweise in regionale Konflikte involviert sind, werden solche Waffenexporte ebenfalls politisch kontrovers diskutiert. Daneben erhielten 2025 vor allem Norwegen, Schweden, Singapur, Großbritannien, die USA, Rumänien oder Dänemark deutsche Rüstungsgüter.

Deutsche Parteien zu Rüstungsexporten

Die Haltung zu deutschen Waffenexporten ist im Bundestag politisch umstritten. Die aktuelle Bundesregierung aus SPD und CDU/CSU unterstützt grundsätzlich Waffenexporte und begründet dies mit der angespannten internationalen Sicherheitslage. Vertreter beider Parteien argumentieren, dass Deutschland angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine Partner militärisch unterstützen müsse. Die Bundesregierung stellt diese Lieferungen als notwendigen Beitrag zur Verteidigung eines angegriffenen Staates dar.

Gleichzeitig steht die Politik in der Kritik. Deutschland hat seine Rolle als einer der größten Waffenexporteure weltweit in den letzten Jahren deutlich ausgebaut. Zwar betont die Regierung, dass Exporte strengen Kontrollen unterliegen und nicht genehmigt werden, wenn ein klarer Verstoß gegen das Völkerrecht droht, in der Praxis landen Waffen jedoch häufig in Krisenregionen oder bei Staaten mit problematischer Menschenrechtslage.

Merz und Selenskyj bei einem Treffen
Wiki | President Of Ukraine - gemeinfrei

Die CDU/CSU bewertet Waffenexporte grundsätzlich positiv, solange sie sicherheitspolitischen Interessen dienen. Sie plädierte besonders für umfangreiche Lieferungen an die Ukraine und fordert teilweise schnellere oder weitergehende Lieferungen. Auch gegenüber Israel betonen viele Unionspolitiker das Recht des Landes auf Selbstverteidigung und Deutschlands besondere Verantwortung.

Die SPD unterstützt ebenfalls Waffenlieferungen, betont aber stärker diplomatische Lösungen und internationale Regeln. Sie hat die militärische Unterstützung der Ukraine mitgetragen, warnt jedoch wiederholt vor einer direkten Eskalation zwischen NATO und Russland. Innerhalb der Partei gibt es Diskussionen über Grenzen von Lieferungen, insbesondere bei weitreichenden Waffensystemen oder Exports in Krisengebiete. In Bezug auf Israel unterstreicht die SPD das Existenzrecht des Landes und den Schutz der Zivilbevölkerung stärker als die Union.

Oppositionsparteien vertreten deutlich unterschiedliche Positionen. Bündnis 90/Die Grünen unterstützen Waffenlieferungen zur Verteidigung der Ukraine, fordern aber strengere Exportkontrollen, mehr Transparenz und eine stärkere Berücksichtigung von Menschenrechten. Sie betonen, dass Israel das Recht auf Selbstverteidigung habe, das humanitäre Völkerrecht jedoch eingehalten werden müsse.

Die Linke lehnt Waffenexporte weitgehend ab, kritisierte Lieferungen an die Ukraine und fordert verstärkte diplomatische Initiativen. Auch Exporte an Israel oder Staaten im Nahen Osten werden häufig abgelehnt. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) spricht sich ebenfalls gegen Lieferungen in Kriegsgebiete aus und fordert eine Außenpolitik, die stärker auf Verhandlungen und Waffenstillstände setzt.

Die AfD lehnt Lieferungen an die Ukraine weitgehend ab, warnt vor einer stärkeren Verwicklung Deutschlands in den Krieg und fordert eine national orientierte Außen- und Sicherheitspolitik. Gleichzeitig betonen einzelne Vertreter die Bedeutung einer starken Rüstungsindustrie und wirbt für eine aufgerüsteten Bundeswehr, wodurch die Position der Partei teilweise widersprüchlich wirkt.

Fast 2000 Aktive kamen zum Berliner Ostermarsch 2019 auf den Rosa-Luxemburg-Platz vor die Volksbühne unter dem Motto "Abrüsten statt Aufrüsten - die Welt braucht Frieden statt Kriegsbündnisse".
Flickr | Uwe Hiksch - CC BY-NC-SA 2.0

Wie werden deutsche Waffenexporte genehmigt?

In Deutschland unterliegen Waffenexporte strengen gesetzlichen Regeln und müssen von der Bundesregierung genehmigt werden. Die wichtigsten Grundlagen sind das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Außenwirtschaftsgesetz. Unternehmen dürfen Waffen oder militärische Güter nicht ins Ausland verkaufen, ohne vorher eine staatliche Genehmigung zu beantragen. Zuständig für die Prüfung ist vor allem das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Besonders sensible Entscheidungen – etwa Lieferungen in Krisenregionen – werden zusätzlich im geheim tagenden Bundessicherheitsrat getroffen, einem Gremium aus mehreren Bundesministerinnen und -ministern, das prüft, ob Exporte mit den außen-, sicherheits- und menschenrechtspolitischen Interessen Deutschlands vereinbar sind.

Bei deutschen Waffenexporten wird zwischen Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern unterschieden. Kriegswaffen sind schwere militärische Systeme wie Kampfpanzer, Artillerie, Kriegsschiffe oder Kampfflugzeuge und unterliegen besonders strengen Regeln. Rüstungsgüter sind militärische Produkte, die nicht als Kriegswaffen gelten, etwa Fahrzeuge, Kommunikations- und Radartechnik, Ersatzteile, Schutzsysteme oder Munition. Für diese Güter gilt hauptsächlich das Außenwirtschaftsgesetz mit weniger strengen Genehmigungsverfahren.

Die Bundesregierung veröffentlicht regelmäßig Informationen über deutsche Rüstungsexporte. Jährlich erscheint ein Rüstungsexportbericht mit Angaben zu Ländern, Regionen und Wert der Lieferungen sowie der Unterscheidung zwischen Kriegswaffen und anderen militärischen Gütern. Zwischenberichte geben während des Jahres aktuelle Genehmigungen wieder. Diese Zahlen zeigen jedoch meist nur genehmigte Exporte, nicht unbedingt bereits gelieferte Waffen.

Die Unterscheidung zwischen Kriegswaffen und Rüstungsgütern ist politisch umstritten. Viele militärisch wichtige Produkte – etwa elektronische Zielsysteme, Munition, Fahrzeugteile oder Software – gelten rechtlich nur als Rüstungsgüter, obwohl sie im Krieg zentral sind. Große Waffensysteme bestehen zudem oft aus vielen Komponenten, die unterschiedlich eingestuft werden. Dadurch können erhebliche Teile militärischer Ausrüstung exportiert werden, ohne dass sie statistisch als Kriegswaffen erscheinen, was die Transparenz deutscher Waffenexporte nach Ansicht vieler Experten einschränkt.

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Autor: Maximilian Stark 12.03.26, lizenziert unter CC BY-SA 4.0

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