Kundgebung der Initiative #AfDverbotJetzt zur Fordergung nach einem Prüfauftrag zum Verbot der AfD durch den Bundestag vor dem Gebäude der Bundespressekonferenz in Anwesenheit von Fotografen, einer Reporterin des Deutschlandfunks und eines Fernsehteams des RBB.
C.Suthorn / cc-by-sa-4.0 / commons.wikimedia.org

AfD Verbot (?)

Wichtige Infos zum AfD-Verbot - Erfahre Voraussetzungen, rechtliche Hürden und Argumente für und gegen ein Verbotsverfahren. Informiere dich jetzt!

Kundgebung der Initiative #AfDverbotJetzt zur Fordergung nach einem Prüfauftrag zum Verbot der AfD durch den Bundestag vor dem Gebäude der Bundespressekonferenz in Anwesenheit von Fotografen, einer Reporterin des Deutschlandfunks und eines Fernsehteams des RBB.
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AfD-Verbot - Zwischen Demokratieschutz und politischen Risiken

Die Debatte über ein mögliches Verbot der AfD gibt es seit Jahren, in den vergangenen Monaten hat allerdings deutlich an Dynamik gewonnen. Hintergrund sind neue juristische Gutachten, laufende Gerichtsverfahren sowie die anhaltende Beobachtung der Partei durch die Sicherheitsbehörden.

Nachdem das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD im Jahr 2025 als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ eingestuft hatte, wurde diese Bewertung im Eilverfahren vorläufig ausgesetzt. Bis zu einer Entscheidung im Hauptsacheverfahren wird die Partei weiterhin als Verdachtsfall geführt. Parallel dazu sorgt ein rund 1.500 Seiten umfassendes Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte erneut für Aufmerksamkeit, da es ein Parteiverbot auf Grundlage der bisherigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts für rechtlich möglich hält.

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Im Mittelpunkt der Debatte stehen zahlreiche dokumentierte Hinweise auf rechtsextremistische Strukturen und Positionen innerhalb der Partei. Mehrere Landesverbände – darunter Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt – werden von den jeweiligen Verfassungsschutzbehörden als gesichert rechtsextrem eingestuft. Bereits in früheren Verfassungsschutzberichten wurde das rechtsextremistische Personenpotenzial innerhalb der AfD auf mehr als 11.000 Personen beziffert.

Hinzu kommen enge personelle Überschneidungen mit Akteuren der sogenannten Neuen Rechten wie der Identitären Bewegung sowie zahlreiche öffentliche Äußerungen einzelner Funktionäre, die von Gerichten und Sicherheitsbehörden als Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen bewertet wurden. So ist die Jugendorganisation der Partei Genration Deutschland eng vernetzt mit rechtsextremen Akteuren. Auch der aufgelöste parteiinterne „Flügel“ um Björn Höcke gilt weiterhin als prägender Einfluss auf Teile der Partei.

Die politische Bedeutung der Debatte wächst auch vor dem Hintergrund steigender Wahlergebnisse der AfD. Bei der Bundestagswahl 2025 wurde sie mit über 20 Prozent der Stimmen zweitstärkste Kraft im Deutschen Bundestag. In mehreren ostdeutschen Bundesländern liegt sie in aktuellen Umfragen deutlich vor den anderen Parteien, in Sachsen-Anhalt teilweise bei rund 40 Prozent. Auch repräsentative Umfragen sehen sie aktuell als stimmenstärkste Partei bei künftigen Bundestagswahlen.

Wie stehen die Deutschen zu einem Verbot der Afd
statista - CC BY-ND 3.0

Rechtsextremismus als Gefahr für Gesellschaft und Demokratie

Dabei gilt Rechtsextremismus nach Einschätzung der deutschen Sicherheitsbehörden weiterhin als die größte extremistische Bedrohung für die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Bereits 2024 registrierte die Polizei mit 25.660 rechtsextremistisch motivierten Straftaten einen Höchststand von durchschnittlich mehr als 70 Delikten pro Tag.

Für 2025 zeichnete sich eine weitere Verschärfung der Lage ab: Nach den veröffentlichten Zahlen entfiel rund die Hälfte aller politisch motivierten Straftaten in Deutschland auf das rechte Spektrum. Gleichzeitig stieg die Zahl der rechtsextrem motivierten Gewalttaten auf mehr als 1.500 Fälle. Sicherheitsbehörden warnen seit Jahren vor einer zunehmenden Radikalisierung, einer wachsenden Gewaltbereitschaft und der stärkeren Vernetzung rechtsextremer Akteure – sowohl im digitalen Raum als auch in regionalen Strukturen.

Parallel dazu beobachten Wissenschaftler und Demokratieforscher eine schleichende Normalisierung rechter Narrative im öffentlichen Diskurs. Positionen, die noch vor wenigen Jahren als gesellschaftlicher Tabubruch galten, finden heute häufiger Eingang in politische Debatten und soziale Netzwerke. Besonders die Verbreitung rassistischer, antisemitischer und demokratiefeindlicher Inhalte im Internet trägt nach Einschätzung von Sicherheitsbehörden zur Radikalisierung einzelner Milieus bei. Die steigenden Fallzahlen politisch motivierter Hasskriminalität und die wachsende Präsenz rechtsextremer Ideologien im digitalen Raum werden daher nicht nur als Sicherheitsproblem, sondern zunehmend auch als Herausforderung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die demokratische Kultur bewertet.

Wie wichtig sind staatliche Mittel für die AfD?
statista - CC BY-ND 3.0

Der rechtliche Ablauf: Wer über ein AfD-Verbot entscheidet

Ein Parteiverbot in Deutschland ist an besonders hohe verfassungsrechtliche Hürden geknüpft. Grundlage ist Artikel 21 Absatz 2 des Grundgesetzes, wonach eine Partei nur dann verboten werden kann, wenn sie darauf ausgerichtet ist, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen. Ein Verbot kann daher nicht durch einen politischen Beschluss der Regierung oder des Parlaments erfolgen, sondern ausschließlich im Rahmen eines gerichtlichen Verfahrens.

Ein Verbotsverfahren können nur drei Verfassungsorgane einleiten: der Deutsche Bundestag, der Bundesrat oder die Bundesregierung. Über den Antrag entscheidet ausschließlich das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Die Richter prüfen dabei nicht nur programmatische Aussagen oder einzelne Äußerungen von Parteimitgliedern, sondern bewerten, ob die Partei insgesamt eine aktiv kämpferische und aggressive Haltung gegenüber der demokratischen Grundordnung einnimmt und konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie ihre verfassungsfeindlichen Ziele tatsächlich umsetzen will. Diese hohen Anforderungen machen Parteiverbote in Deutschland zu einem verfassungsrechtlichen Ausnahmeinstrument.

Aktueller Stand zur AfD-Verbots Debatte (Stand Juli 2026)

Im Juni 2026 legte die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) nach über einjähriger Prüfung ein umfassendes Rechtsgutachten vor. Die Verfasser kommen zu dem Schluss, dass ein Verbotsverfahren gegen die AfD hohe Erfolgsaussichten hätte, da die Partei nachweislich gegen das Demokratieprinzip und die Menschenwürdegarantie verstoße. Nach Einschätzung der Autoren liegen hinreichende Anhaltspunkte dafür vor, dass die AfD gegen zentrale Verfassungsprinzipien – insbesondere das Demokratieprinzip und die Garantie der Menschenwürde – gerichtet handelt. Das Gutachten soll politischen Entscheidungsträgern als rechtliche Grundlage für die Prüfung eines möglichen Verbotsantrags dienen.

Gleichzeitig ist die juristische Bewertung der Partei weiterhin nicht abschließend geklärt. Im Februar 2026 untersagte das Verwaltungsgericht Köln dem Bundesamt für Verfassungsschutz im Eilverfahren vorläufig, die AfD als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ zu führen.

Nach Auffassung des Gerichts sei eine entsprechende Einstufung im Gesamtbild der Bundespartei derzeit nicht ausreichend belegt; eine endgültige Entscheidung steht jedoch noch aus, da das Hauptsacheverfahren weiterhin läuft. Parallel dazu wird die politische Diskussion über ein mögliches Verbotsverfahren im Bundestag fortgeführt. Während insbesondere Bündnis 90/Die Grünen oder die Linke auf eine gemeinsame Prüfung eines Antrags drängen, mahnen andere Fraktionen angesichts der hohen verfassungsrechtlichen Hürden und der politischen Tragweite eines Parteiverbots zur Zurückhaltung.

Für ein Verbot der AfD haben sich insbesondere Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke sowie Politiker der SPD ausgesprochen. Zu den prominenten Befürwortern zählen bei den Grünen Katharina Dröge, Britta Haßelmann, Renate Künast und Konstantin von Notz, bei der Linken Jan van Aken, Ines Schwerdtner und Heidi Reichinnek sowie in der SPD Ralf Stegner, Carmen Wegge und Georg Maier. Zudem unterstützten zahlreiche Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken fraktionsübergreifende Initiativen im Deutschen Bundestag zur Einleitung eines Verbotsverfahrens.

CDU, CSU, FDP und das BSW lehnen ein AfD-Verbotsverfahren überwiegend ab oder stehen ihm skeptisch gegenüber. Friedrich Merz, Carsten Linnemann, Markus Söder und Alexander Dobrindt sprechen sich dafür aus, die AfD politisch statt juristisch zu bekämpfen. Eine Ausnahme bilden die CDU-Politiker Hendrik Wüst und Marco Wanderwitz, der als Initiator eines fraktionsübergreifenden Bundestagsantrags zu den bekanntesten Befürwortern eines AfD-Verbots zählt.

In Berlin demonstrierten am 11.Mai mehrere tausend Menschen für ein Verbot der rechtsextremen Partei AfD.
Flickr | Tim Lüddemann - CC BY-NC-SA 2.0

Die Vor- und Nachteile eines AfD-Verbots

Befürworter eines Verbotsverfahrens gegen die AfD verweisen auf das Prinzip der „wehrhaften Demokratie“, das im Grundgesetz verankert ist. Demnach muss sich eine Demokratie gegen Parteien schützen können, die darauf ausgerichtet sind, ihre Grundprinzipien abzuschaffen. Ein Verbot richtet sich nicht gegen unpopuläre Meinungen, sondern gegen Organisationen, die die freiheitliche demokratische Grundordnung beeinträchtigen oder beseitigen wollen.

Unterstützer verweisen dabei auf die Einstufung mehrerer AfD-Landesverbände als gesichert rechtsextremistisch durch Verfassungsschutzbehörden sowie auf Positionen innerhalb der Partei, die als Angriff auf Menschenwürde und Gleichheitsgrundsatz bewertet werden. Die Amadeu Antonio Stiftung warnt zudem vor der zunehmenden Normalisierung rechtsextremer Ideologien im politischen Raum.

Ein weiteres Argument der Befürworter ist die mögliche organisatorische Wirkung eines Verbots. Würde das Bundesverfassungsgericht ein Verbot aussprechen, könnte die AfD ihre Parteistrukturen verlieren, nicht mehr an Wahlen teilnehmen und keine staatliche Parteienfinanzierung erhalten. Dadurch könnten nach Ansicht der Unterstützer extremistische Netzwerke geschwächt werden. Der Rechtsextremismusforscher Hajo Funke sieht in der Verbreitung rechtsextremer Positionen innerhalb der Partei eine ernsthafte Herausforderung für die demokratische Kultur.

Kritiker eines Verbots warnen dagegen vor erheblichen politischen Risiken. Sollte das Bundesverfassungsgericht den Antrag ablehnen, weil die Beweise nicht ausreichen, könnte die AfD sich als Verfahrensopfer des „Establishments“ inszenieren. Dies könnte der Partei massiven politischen Aufwind geben. Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts Andreas Voßkuhle betonte, dass Parteiverbote nur unter strengsten Voraussetzungen möglich seien und eine besonders sorgfältige Prüfung erforderten.

Zudem argumentieren Gegner, dass ein Verbot die Ursachen für den Zulauf zur AfD nicht beseitigen würde. Rechtsextreme Einstellungen und politische Unzufriedenheit würden dadurch nicht automatisch verschwinden, sondern könnten sich in anderen Organisationen oder Netzwerken fortsetzen. Kritiker befürchten außerdem, dass die AfD sich als Opfer des politischen Systems darstellen und damit ihre Anhängerschaft weiter mobilisieren könnte. Sie setzen daher stärker auf politische Auseinandersetzung, Prävention und die konsequente Beobachtung extremistischer Strukturen.

Autor: Maximilian Stark, 09.07.26, lizenziert unter CC BY-SA 4.0

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