Eine Dokumentation über Grundsicherung mit Symbolen für finanzielle Unterstützung und menschlichen Emotionen, dargestellt durch unterschiedliche Personen.
Jasi - KI generiert

Ratgeber zum Thema ➡️ Grundsicherung allgemein

Grundsicherung ist eine staatliche Hilfe für Menschen, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigener Kraft sichern können. Sie soll ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Die Grundsicherung deckt grundlegende Kosten wie Essen, Kleidung, Strom, Heizung und Wohnen ab. Sie ist keine Almosenleistung, sondern ein gesetzlich verankerter Anspruch.

Grundsicherung ist für viele Menschen ein sensibles und oft auch schambesetztes Thema. Sie betrifft längerfristig arbeitslose Personen, ältere Menschen, dauerhaft Erwerbsgeminderte und Personen, deren Einkommen trotz jahrzehntelanger Arbeit nicht zum Leben reicht. Die steigenden Zahlen zeigen deutlich, dass es sich längst nicht mehr um Einzelfälle handelt, sondern um ein strukturelles Problem sozialer Absicherung.

Viele Bürger wissen nicht, dass sie Anspruch haben, obwohl sie gearbeitet haben oder eine kleine Rente beziehen. Grundsicherung springt genau dann ein, wenn Einkommen und Vermögen nicht ausreichen. Wichtig ist: Niemand muss sich schämen, diese Hilfe zu beantragen. Sie dient der Existenzsicherung und dem sozialen Schutz.

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Dieser Ratgeber erklärt verständlich, was Grundsicherung ist, wer Anspruch hat und wie man sie beantragt – und beleuchtet zugleich kritisch, warum immer mehr Menschen auf diese Leistung angewiesen sind. Du erfährst, welche Leistungen dazugehören, welche Pflichten bestehen und wo weiterhin Hürden, Unsicherheiten und typische Fehlerquellen liegen. Ziel ist es nicht nur, Sicherheit zu geben und Ängste abzubauen, sondern auch aufzuzeigen, wo das System seine Grenzen hat – und warum Unterstützung anzunehmen kein persönliches Versagen, sondern ein legitimes Recht ist.

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„Der beste Sozialstaat ist der, der den Menschen hilft, sich selbst zu helfen.“ - Willy Brandt

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Zur Einordnung der Grundsicherung (Wikipedia)

Als Grundsicherung wird in Deutschland eine aus Steuergeldern finanzierte Sozialleistung bezeichnet, die es den Leistungsberechtigten ermöglichen soll, ein Leben zu führen, das der Würde des Menschen entspricht. Das Sozialgesetzbuch (SGB) unterscheidet zwischen der Grundsicherung für arbeitssuchende Personen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (§ 1 Abs. 1 SGB II) und der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch (§ 1 Satz 1, §§ 41 bis 46b SGB XII).

Die im SGB II geregelte Grundsicherung für arbeitssuchende Personen (Arbeitslosengeld II und Sozialgeld) wurde zum 1. Januar 2023 in „Bürgergeld“ umbenannt (§ 19 Abs. 1 SGB II). Die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung ist dagegen eine Form der Sozialhilfe (§ 8 Nr. 2 SGB XII). ...

Das ifo Institut für Wirtschaftsforschung kritisiert im Mai 2021 in einer Studie die Praxis der Grundsicherung: Das System wirkt, als wäre es gemacht, um es den Empfängern schwer zu machen. ... Nach seinen Recherchen spare der Staat zwischen sechs und zehn Milliarden Euro pro Jahr, weil Berechtigte ihnen zustehende Leistungen nicht in Anspruch nehmen. ... Peichl sieht maximal fünf Bestimmungen als angemessen an und hält eine radikale Vereinfachung für möglich und nötig.

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Wer hat Anspruch auf Grundsicherung?

Anspruch auf Grundsicherung haben Menschen ab dem Rentenalter sowie dauerhaft voll erwerbsgeminderte Personen ab 18 Jahren. Voraussetzung ist, dass das eigene Einkommen und Vermögen unter bestimmten Grenzen liegt. Auch eine kleine Rente oder andere Einnahmen schließen Grundsicherung nicht automatisch aus. Entscheidend ist die individuelle finanzielle Situation. Einkommen von Angehörigen spielt nur eine begrenzte Rolle. Kinder oder Eltern müssen in der Regel nicht zahlen, solange ihr Einkommen unter einer bestimmten Grenze liegt. Ein Antrag lohnt sich daher oft, auch wenn Unsicherheit besteht. Ein Beratungsgespräch beim Sozialamt kann Klarheit schaffen.

Welche Leistungen gehören zur Grundsicherung?

Die Grundsicherung besteht aus mehreren Bausteinen. Dazu gehört der Regelbedarf für den täglichen Lebensunterhalt. Zusätzlich werden angemessene Kosten für Miete und Heizung übernommen. Auch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sind abgesichert. In besonderen Lebenslagen gibt es Mehrbedarfe, zum Beispiel bei Krankheit, Behinderung oder kostenaufwändiger Ernährung. Einmalige Leistungen sind ebenfalls möglich, etwa für Erstausstattung oder notwendige Anschaffungen. Wichtig ist, alle Bedürfnisse im Antrag anzugeben. Nur was bekannt ist, kann auch berücksichtigt werden.

Wie hoch ist die Grundsicherung?

Die Höhe der Grundsicherung ist individuell unterschiedlich. Sie hängt von der persönlichen Lebenssituation ab. Maßgeblich sind der Regelbedarf, die Wohnkosten und eventuelle Mehrbedarfe. Davon wird vorhandenes Einkommen abgezogen. Auch kleine Beträge können einen Unterschied machen. Deshalb lohnt es sich, genau zu rechnen. Sozialämter orientieren sich an gesetzlich festgelegten Regelsätzen. Wer unsicher ist, kann vorab eine unverbindliche Berechnung machen lassen. So entsteht ein realistisches Bild der möglichen Unterstützung.

Hand mit Kleingeld
Cottonbro Studios - Pexels

Was zählt als Einkommen und Vermögen?

Zum Einkommen zählen unter anderem Renten, Pensionen, Unterhaltszahlungen oder Nebenverdienste. Nicht alles wird vollständig angerechnet. Es gibt Freibeträge und Ausnahmen. Beim Vermögen gelten Schonbeträge. Ein angemessenes Sparguthaben oder notwendige Rücklagen sind erlaubt. Auch ein selbst genutztes, angemessenes Wohneigentum bleibt oft geschützt. Wichtig ist Ehrlichkeit. Falsche Angaben können später Probleme verursachen. Wer unsicher ist, sollte lieber nachfragen. Sozialämter sind zur Beratung verpflichtet.

So stellst du den Antrag richtig

Der Antrag auf Grundsicherung wird beim zuständigen Sozialamt gestellt. Er kann schriftlich oder persönlich erfolgen. Viele Kommunen bieten Unterstützung beim Ausfüllen an. Wichtig ist, alle Unterlagen vollständig einzureichen. Dazu gehören Einkommensnachweise, Mietvertrag und Kontoauszüge. Der Anspruch gilt ab dem Monat der Antragstellung. Deshalb sollte man nicht zu lange warten. Ein formloser Antrag reicht zunächst aus. Die Unterlagen können nachgereicht werden. Das gibt Sicherheit und Zeit.

Welche Pflichten gibt es?

Wer Grundsicherung erhält, hat Mitwirkungspflichten. Änderungen der finanziellen oder persönlichen Situation müssen gemeldet werden. Dazu zählen Umzüge, neue Einnahmen oder Veränderungen im Haushalt. Diese Pflicht dient der korrekten Berechnung. Sie ist kein Misstrauen, sondern Teil des Systems. Wer offen kommuniziert, vermeidet Rückforderungen. Bei Unsicherheiten gilt: lieber einmal zu viel nachfragen als einmal zu wenig. Das schafft Vertrauen und Klarheit.

Grundsicherung und Wohnen – was ist angemessen?

Die Kosten für Unterkunft werden übernommen, wenn sie angemessen sind. Was als angemessen gilt, hängt von der Region ab. Größe und Mietpreis spielen eine Rolle. Liegen die Kosten darüber, wird meist eine Übergangsfrist eingeräumt. In dieser Zeit kann man nach einer günstigeren Wohnung suchen. Ein Umzug ist nicht sofort verpflichtend. Beratung hilft, realistische Lösungen zu finden. Niemand soll durch die Grundsicherung seine Wohnung verlieren.

Kindergrundsicherung – Unterstützung für Familien und Kinder

Die Kindergrundsicherung soll Kinder vor Armut schützen und Familien entlasten. Sie richtet sich an Haushalte, deren Einkommen nicht ausreicht, um den Bedarf von Kindern vollständig zu decken. Ziel ist es, gleiche Chancen für Bildung, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe zu schaffen. Die Kindergrundsicherung bündelt verschiedene Leistungen wie Kindergeld, Kinderzuschlag und weitere Unterstützungen. Für Eltern bedeutet das weniger Bürokratie und mehr Übersicht. Wichtig ist, rechtzeitig einen Antrag zu stellen und alle Einkommensangaben korrekt zu machen. Auch Alleinerziehende profitieren besonders von dieser Leistung. Kindergrundsicherung ist kein Bonus, sondern eine wichtige Absicherung. Sie hilft dabei, den Alltag zu stabilisieren und Kindern ein sicheres Aufwachsen zu ermöglichen.

Tipp: Unser Ratgeber Kinderarmut

Zwei alte Frauen auf einem Gang
sarcifilippo - Pixabay

Grundsicherung im Alter – ein häufiges Tabu

Viele ältere Menschen beantragen keine Grundsicherung aus Scham. Dabei ist Altersarmut kein persönliches Versagen. Steigende Lebenshaltungskosten treffen besonders Menschen mit kleinen Renten. Grundsicherung im Alter soll genau hier helfen. Sie ermöglicht Teilhabe und Sicherheit. Wer Unterstützung annimmt, stärkt seine Lebensqualität. Gespräche mit Beratungsstellen oder Vertrauenspersonen können Hemmungen abbauen. Hilfe anzunehmen ist ein Zeichen von Verantwortung.

Tipp: Unser Ratgeber zu Altersarmut

Zwischen Ende 2023 und Ende 2024 ist die Zahl der Menschen gestiegen, die Grundsicherung im Alter erhalten. Die Zahl der Empfängerinnen und Empfänger mit Grundsicherung wegen Erwerbsminderung blieb dagegen unverändert.

Im Dezember 2024 bekamen rund 739.000 Menschen Grundsicherung im Alter. Das entspricht 58,6 Prozent aller Leistungsbeziehenden. Diese Personen hatten die gesetzliche Altersgrenze erreicht oder überschritten. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Anstieg von 7,1 Prozent. Die Altersgrenze lag im Dezember 2024 bei 66 Jahren. Sie wird seit einigen Jahren schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben.

Grundsicherung bei Erwerbsminderung

Menschen mit dauerhafter Erwerbsminderung stehen oft vor besonderen Herausforderungen. Grundsicherung bietet finanzielle Stabilität, wenn Arbeiten nicht möglich ist. Sie schafft einen verlässlichen Rahmen. Wichtig ist die Anerkennung der Erwerbsminderung durch die Rentenversicherung. Danach kann Grundsicherung beantragt werden. Auch hier gilt: Ergänzende Leistungen sind möglich. Individuelle Bedürfnisse sollten klar benannt werden. Unterstützung bedeutet Entlastung.

Rund 522.000 Menschen erhielten Grundsicherung wegen einer dauerhaften Erwerbsminderung. Das sind 41,4 Prozent der Leistungsbeziehenden. Diese Personen sind mindestens 18 Jahre alt und können aufgrund von Krankheit oder Behinderung langfristig weniger als drei Stunden täglich arbeiten. Ihre Zahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert.

Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

Ein häufiger Fehler ist, keinen Antrag zu stellen aus Angst vor Ablehnung. Ein weiterer ist, Unterlagen unvollständig einzureichen. Auch verspätete Meldungen von Änderungen können problematisch sein. Diese Fehler lassen sich vermeiden. Gute Vorbereitung, Beratung und Offenheit helfen. Niemand muss den Weg allein gehen. Sozialberatungen, Wohlfahrtsverbände und Ämter bieten Unterstützung. Wissen schützt vor Unsicherheit.

Junge Frau hilft altem Mann am Laptop
Andrea Piacquadio - Pexels

Du möchtest Hilfe annehmen, wenn …

  • dein Einkommen nicht mehr für den Alltag reicht
  • du trotz Rente oder Erwerbseinkommen finanzielle Sorgen hast
  • steigende Mieten und Lebenshaltungskosten dich belasten
  • du krank bist oder dauerhaft nicht arbeiten kannst
  • du Angst hast, Rechnungen nicht mehr bezahlen zu können
  • du Unterstützung brauchst, um deine Existenz zu sichern
  • du wieder mehr Sicherheit im Alltag möchtest
  • du dir ein Leben in Würde erhalten willst
  • du Verantwortung für dich und deine Zukunft übernimmst
  • du weißt: Hilfe anzunehmen ist kein Scheitern

Was du jetzt tun musst

  • informiere dich über deinen Anspruch auf Grundsicherung
  • vereinbare einen Termin beim zuständigen Sozialamt
  • stelle den Antrag so früh wie möglich
  • sammle alle wichtigen Unterlagen wie Einkommen und Mietvertrag
  • reiche fehlende Unterlagen bei Bedarf nach
  • frage nach Unterstützung beim Ausfüllen der Formulare
  • melde Veränderungen in deiner Situation zuverlässig
  • nutze kostenlose Sozialberatungen
  • lass dich nicht entmutigen, wenn etwas Zeit braucht
  • vertraue darauf, dass dir Hilfe zusteht

Du bist nicht allein

Grundsicherung ist mehr als eine finanzielle Leistung. Sie ist ein Schutznetz für schwierige Lebensphasen. Jeder Mensch kann in eine Situation geraten, in der Hilfe nötig ist. Das anzuerkennen, erfordert Mut. Dieser Ratgeber soll dir zeigen: Du hast Rechte. Du darfst Unterstützung annehmen. Ein sicheres Leben in Würde ist kein Luxus, sondern ein Grundrecht. Du bist nicht allein – und du musst diesen Weg nicht alleine gehen.

Autorin: Jasmin, Datum: 06.01.26 - Artikel lizenziert unter CC BY-SA 4.0