Fast 2000 Aktive kamen zum Berliner Ostermarsch 2019 auf den Rosa-Luxemburg-Platz vor die Volksbühne unter dem Motto "Abrüsten statt Aufrüsten - die Welt braucht Frieden statt Kriegsbündnisse".
Flickr | Uwe Hiksch - CC BY-NC-SA 2.0

STOP Rearm Europe

Was steckt hinter STOP Rearm Europe? Erfahre mehr über die europaweite Friedensbewegung, ihre Kritik an der EU-Aufrüstung und ihr Motto: Soziales statt Rüstung.

Fast 2000 Aktive kamen zum Berliner Ostermarsch 2019 auf den Rosa-Luxemburg-Platz vor die Volksbühne unter dem Motto "Abrüsten statt Aufrüsten - die Welt braucht Frieden statt Kriegsbündnisse".
Flickr | Uwe Hiksch - CC BY-NC-SA 2.0

Stop ReArm Europe: Europas Friedensbewegung fordert Soziales statt Aufrüstung

Die europaweite Initiative „Stop ReArm Europe“ (Stoppt die Aufrüstung Europas) richtet sich gegen die zunehmende Militarisierung der Europäischen Union und die geplante massive Ausweitung der Verteidigungsausgaben. Unter dem Motto „Welfare, not Warfare“ (Soziales statt Aufrüstung) fordert das Bündnis aus Friedensinitiativen, Gewerkschaften, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Klimaschutzbewegungen eine andere Prioritätensetzung in der europäischen Politik.

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Milliardenbeträge für militärische Aufrüstung tatsächlich mehr Sicherheit schaffen oder ob Investitionen in Bildung, Gesundheit, soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und internationale Zusammenarbeit langfristig einen größeren Beitrag zur Sicherheit leisten könnten. Die Initiative versteht Sicherheit dabei nicht allein militärisch, sondern auch sozial, ökologisch und wirtschaftlich.

Der Protest fällt in eine Zeit stark steigender Rüstungsausgaben. Nach Angaben der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA) beliefen sich die Verteidigungsausgaben der 27 EU-Mitgliedstaaten 2025 auf rund 418 Milliarden Euro – ein Anstieg um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für 2026 werden bereits 454 Milliarden Euro erwartet. Das entspricht etwa 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung der EU. Hinzu kommt der europäische Verteidigungsplan „Readiness 2030“, der zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten von bis zu 800 Milliarden Euro für Verteidigungsausgaben mobilisieren soll. Die NATO-Staaten haben sich 2025 zudem auf ein neues Ziel verständigt: Bis 2035 sollen jährlich fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung und sicherheitsbezogene Investitionen aufgewendet werden.

Die Organisatoren von Stop ReArm Europe kritisieren, dass diese Entwicklung gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen in den Hintergrund dränge. Sie warnen vor einer Verschärfung der Sparpolitik, wachsender Staatsverschuldung und einer zunehmenden Abhängigkeit von der Rüstungsindustrie. Außerdem bezweifeln sie, dass immer höhere Militärausgaben automatisch zu mehr Sicherheit führen.

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EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat den EU-Staats- und Regierungschefs einen milliardenschweren Plan zur Aufrüstung Europas, den „ReArm Europe“-Plan, vorgestellt. Demnach könne Europa insgesamt "nahezu 800 Milliarden Euro" mobilisieren. Die Statista-Grafik illustriert die einzelnen Bestandteile des Plans.
statista - CC BY-ND 3.0

Gegen Militarisierung und für Diplomatie und zivile Konfliktlösung

Stattdessen könnten Aufrüstung und militärische Abschreckung geopolitische Spannungen verstärken. Besonders betont die Bewegung den Zusammenhang zwischen Militarisierung und Klimakrise: Militärische Aktivitäten, Rüstungsproduktion und Kriege verursachen erhebliche Treibhausgasemissionen, während dringend benötigte Mittel für die sozial-ökologische Transformation fehlen könnten. Ihr Gegenentwurf ist eine Sicherheitsstrategie, die auf Diplomatie, zivile Konfliktlösung, internationale Zusammenarbeit und eine gerechte Verteilung öffentlicher Mittel setzt.

Mit Demonstrationen, öffentlichen Aktionen, Unterschriftenkampagnen und europaweiten Vernetzungstreffen versucht das Bündnis, seine Forderungen in die gesellschaftliche Debatte einzubringen. Für den Zeitraum um den 20. November 2026 sind europaweite Aktionstage angekündigt. Laut den Veranstaltern beteiligen sich Initiativen aus 18 Ländern, darunter Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien und Belgien.

Parallel dazu ist ein internationaler Jugendstreik unter dem Motto „Fight For Our Future, Not Their Wars“ geplant. Die Bewegung verbindet damit die Forderung nach Abrüstung mit Fragen sozialer Gerechtigkeit, Klimaschutz und den Zukunftsperspektiven junger Menschen. Ihre zentrale Botschaft lautet: Nachhaltige Sicherheit entsteht nicht allein durch militärische Stärke, sondern braucht soziale Stabilität, ökologische Verantwortung und eine Politik, die Konflikte möglichst friedlich löst.

Wer sind die wichtigsten Kräfte der Bewegung?

Die europaweite Bewegung „Stop ReArm Europe“ ist keine zentral organisierte Partei oder ein einzelner Verein mit einer prominenten Führungspersönlichkeit, sondern ein breit aufgestelltes Bündnis aus Friedensorganisationen, Gewerkschaften, zivilgesellschaftlichen Netzwerken, Umweltinitiativen und politischen Gruppen. Nach Angaben von Attac Österreich gehören dem Bündnis mehr als 700 zivilgesellschaftliche Organisationen an. Die Kampagne ist inzwischen weiter gewachsen: In einer Erklärung vom März 2026 spricht das internationale Netzwerk bereits von mehr als 800 beteiligten Organisationen und Vereinigungen. Die Bewegung setzt auf dezentrale Strukturen und eine europaweite Zusammenarbeit unterschiedlicher gesellschaftlicher Kräfte.

Eine wichtige Rolle spielen internationale Friedens- und Abrüstungsorganisationen. Zu den Initiatoren und Koordinationsmitgliedern zählen unter anderem das International Peace Bureau (IPB), die Women's International League for Peace and Freedom (WILPF), die Campaign for Nuclear Disarmament (CND), die Stop the War Coalition, das European Network Against Arms Trade (ENAAT) und das Centre Delàs for Peace Studies. Auch das globalisierungskritische Netzwerk Attac ist mit nationalen Organisationen wie Attac Österreich, Attac Deutschland, Attac Frankreich und Attac Italien vertreten. Diese Organisationen bringen langjährige Erfahrungen in der Friedensarbeit, der Kritik an Rüstungsexporten und der Mobilisierung gesellschaftlicher Proteste ein.

Auch Gewerkschaften und soziale Bewegungen bilden eine wichtige Säule des Bündnisses. Auf der Unterstützerliste finden sich beispielsweise der italienische Gewerkschaftsverband CGIL, die französische Gewerkschaftsföderation SUD Santé Sociaux sowie zahlreiche gewerkschaftliche Initiativen. Sie kritisieren, dass steigende Militärausgaben den finanziellen Spielraum für öffentliche Dienstleistungen, gute Arbeitsbedingungen und soziale Absicherung einschränken könnten. Hinzu kommen Umwelt- und Klimabewegungen wie Extinction Rebellion, Fridays for Future und Debt for Climate, die den Zusammenhang zwischen Aufrüstung, Ressourcenverbrauch und Klimakrise thematisieren. Auch politische Netzwerke wie DiEM25 und die Europäische Linke sind im Kreis der Unterstützer vertreten.

Autor: Maximilian Stark, 05.11.26 lizenziert unter CC BY-SA 4.0