Maja Göpel (D)

Maja Göpel auf der re:publica 19 - Frau mit blonden Haaren hält ein Mikrofon, sie gestikuliert nachdenklich während einer Diskussion. Bunte Hintergrundbeleuchtung.
re:publica 19 | flikr - CC BY-SA 4.0

➡️ Maja Göpel - Expertin für Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Wandel

Maja Göpel ist eine deutsche Politökonomin, Transformationsforscherin und Nachhaltigkeitsexpertin, die sich vor allem mit der Frage beschäftigt, wie Gesellschaften ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltig umgestaltet werden können. Sie steht an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft und ist bekannt für ihre öffentlichen Beiträge zur Nachhaltigkeit, systemischen Transformation und Wissenschaftskommunikation.

Göpel studierte Medien- und Kommunikationswissenschaft und promovierte später in politischer Ökonomie. Ihre wissenschaftliche Arbeit befasst sich mit globaler Nachhaltigkeit, Paradigmenwechseln im Wirtschaften und gesellschaftlichen Transformationsprozessen. Sie hat mehrere Bücher veröffentlicht, in denen sie alternative Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle sowie die Notwendigkeit eines grundlegenden Wandels in Denken und Handeln beschreibt.

Bereits in „The Great Mindshift“ (2016) argumentiert sie, dass nachhaltige Entwicklung nur durch einen tiefgreifenden Wandel bestehender Denk- und Wirtschaftsmodelle möglich ist. Diese Perspektive führte sie in ihrem Bestseller „Unsere Welt neu denken“ (2020) weiter aus, in dem sie ein breites Publikum dazu einlädt, Krisen als Ergebnis überholter Denkmuster zu verstehen und neue, transdisziplinäre Lösungsansätze zu entwickeln.

Maja Göpel auf der Bühne 1 der re:publica 2022.
Wiki | Jan Zappner - CC BY-SA 2.0

In späteren Veröffentlichungen richtet Göpel den Fokus stärker auf konkrete gesellschaftliche Krisen, Handlungsoptionen und Wertefragen. Werke wie „Pandemie und Klima“ (2021) oder der Sammelband „Schöpfen und Erschöpfen“ (2022) beleuchten Zusammenhänge zwischen globalen Krisen und nachhaltigem Handeln. Mit „Wir können auch anders“ (2022) zeigt sie praxisnahe Wege für einen mutigen gesellschaftlichen Umbau auf. Ihr jüngstes Buch „Werte: Ein Kompass für die Zukunft“ (2025) verlagert den Schwerpunkt schließlich auf grundlegende Werte wie Freiheit, Fairness und Wohlstand und deren Bedeutung für die gemeinsame Bewältigung zukünftiger Herausforderungen.

In ihrer beruflichen Laufbahn war Göpel unter anderem Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), einer Beratungsinstanz für die deutsche Regierung zu Nachhaltigkeitsthemen, und Direktorin der Forschung am New Institute. Sie hat das Berliner Büro des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt & Energie geleitet und war an der Gründung des World Future Council sowie der Initiative Scientists for Future beteiligt, die wissenschaftliche Grundlagen für die Klimabewegung liefert.

Göpel ist heute Honorarprofessorin für Nachhaltigkeitstransformation an der Leuphana Universität Lüneburg und Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gremien, darunter des Club of Rome, der Balaton Group sowie des Bioeconomy Council der deutschen Bundesregierung. Sie ist außerdem als Referentin und Beraterin aktiv.

Maja Göpel beim Alternative Resource Summit der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin
Wiki | Heinrich-Böll-Stiftung - CC BY-SA 2.0

Maja Göpels politische Positionen und Ansätze

Maja Göpel vertritt in ihren Arbeiten und öffentlichen Auftritten eine systemische Sicht auf gesellschaftliche Transformation. Sie argumentiert, dass die zentralen Krisen unserer Zeit – Klimawandel, Artensterben, soziale Ungleichheit, wirtschaftliche Instabilität und politische Polarisierung – keine isolierten Einzelprobleme, sondern Symptome eines überholten Wirtschafts- und Denkmodells sind. Transformation versteht sie daher nicht als technisches „Nachjustieren“, sondern als tiefgreifenden Wandel von Leitbildern, Institutionen, Anreizsystemen und gesellschaftlichen Narrativen.

In Bezug auf die Klimawende betont Göpel, dass Klimaschutz nicht primär eine Verzichts- oder Moralfrage sei, sondern eine Gestaltungsaufgabe für moderne Gesellschaften. Sie kritisiert die Fixierung auf kurzfristiges Wirtschaftswachstum und plädiert für ein Verständnis von Wohlstand, das ökologische Stabilität, soziale Sicherheit und Lebensqualität einbezieht. Zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Klimapolitik ist für sie die Ausrichtung von Märkten, Regeln und Investitionen auf langfristige Gemeinwohlziele – etwa durch CO₂-Bepreisung, den Abbau klimaschädlicher Subventionen, klare politische Leitplanken und massive Investitionen in nachhaltige Infrastruktur. Dabei warnt sie davor, Klimaschutz gegen soziale Fragen auszuspielen, und betont die Notwendigkeit einer sozial gerechten Transformation, die breite gesellschaftliche Unterstützung findet.

Grundlegend für Göpels Denken ist die Idee des „Mindshifts“: Gesellschaftlicher Wandel gelingt nur, wenn sich auch die zugrunde liegenden Annahmen darüber ändern, was als „normal“, „erfolgreich“ oder „realistisch“ gilt. Sie kritisiert, dass politische Debatten häufig innerhalb enger Denkrahmen geführt werden, obwohl wissenschaftliche Erkenntnisse längst zeigen, dass planetare Grenzen überschritten sind. Transformation bedeutet für sie deshalb auch, neue Zukunftsbilder zu entwickeln, die Orientierung geben und kollektives Handeln ermöglichen.

In ihren Positionen zu Wirtschaft und Arbeit setzt sich Göpel für eine Wirtschaft ein, die dem Leben dient und nicht umgekehrt. Sie plädiert für resilientere, regionalere Wertschöpfung, eine stärkere Rolle öffentlicher Daseinsvorsorge sowie für Unternehmensformen, die Verantwortung für ökologische und soziale Auswirkungen übernehmen. Wettbewerb und Innovation lehnt sie nicht ab, sieht sie jedoch eingebettet in klare gesellschaftliche Zielsetzungen.

Politisch versteht sich Göpel nicht als Parteivertreterin, sondern als wissenschaftliche Brückenbauerin zwischen Forschung, Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Sie betont die Bedeutung demokratischer Prozesse, Transparenz und Beteiligung, um Transformationsprozesse legitim und wirksam zu gestalten. Dabei weist sie immer wieder darauf hin, dass Untätigkeit keine neutrale Option sei, sondern bestehende Krisen verschärfe und zukünftige Handlungsspielräume einenge.

Autor: Maximilian Stark 15.01.26, lizenziert unter CC BY-SA 4.0

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