Michael Hartmann (D)

Der Soziologe Michael Hartmann im Portrait
Wiki | Hannes Röst - CC BY-SA 3.0

➡️ Michael Hartmann ist ein deutscher Soziologe und emeritierter Professor, der vor allem durch seine kritische Elitenforschung bekannt wurde. Über viele Jahre lehrte und forschte er an der Technischen Universität Darmstadt und untersuchte systematisch die sozialen Hintergründe von Entscheidungsträgern in Wirtschaft, Politik, Justiz und Verwaltung. Seine Arbeiten haben deutlich gemacht, dass Führungspositionen in Deutschland nach wie vor stark von Menschen aus privilegierten sozialen Milieus besetzt werden und soziale Herkunft einen erheblichen Einfluss auf Karrierechancen hat.

Besonders prägend ist Hartmanns Beitrag zur Debatte über soziale Gerechtigkeit, weil er den weit verbreiteten Glauben an eine funktionierende Leistungsgesellschaft empirisch hinterfragt hat. Seine Studien zeigen, dass Bildungserfolg und beruflicher Aufstieg weniger von individueller Leistung als vielmehr von familiärem Hintergrund, Netzwerken und kulturellem Kapital abhängen. Damit hat er offengelegt, wie soziale Ungleichheit nicht nur fortbesteht, sondern sich über Generationen hinweg reproduziert. Hartmanns Forschung hat wesentlich dazu beigetragen, soziale Ungleichheit als strukturelles Problem und nicht als individuelles Versagen zu begreifen.

In seinen politischen und gesellschaftlichen Positionen plädiert Michael Hartmann für tiefgreifende Reformen, um echte Chancengleichheit zu ermöglichen. Dazu gehören aus seiner Sicht ein gerechteres Bildungssystem, das soziale Herkunft weniger stark über Lebenswege entscheiden lässt, sowie eine stärkere Regulierung von wirtschaftlicher Macht und Elitennetzwerken. Er kritisiert insbesondere die enge Verflechtung von Wirtschaft, Politik und Spitzenverwaltung, die demokratische Prozesse untergräbt und soziale Ungleichheit verstärkt.

Hartmann hat mehrere vielbeachtete Bücher veröffentlicht, in denen er sich mit den Themen Eliten, Macht und sozialer Ungleichheit auseinandersetzt. Besonders bekannt ist „Der Mythos von den Leistungseliten“, in dem er zeigt, wie stark soziale Herkunft Karrieren beeinflusst. In „Die globale Wirtschaftselite“ analysiert er die Rekrutierung und Netzwerke wirtschaftlicher Spitzenkräfte im internationalen Vergleich. Weitere wichtige Werke sind „Eliten und Macht in Europa“ sowie „Soziale Ungleichheit – Kein Thema für die Eliten?“, die seine zentrale Kritik an bestehenden Machtstrukturen vertiefen.

Hartmann versteht soziale Gerechtigkeit nicht nur als moralisches Ideal, sondern als Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie. Er warnt davor, dass wachsende Ungleichheit das Vertrauen in politische Institutionen schwächt und gesellschaftliche Spaltungen vertieft. Mit seinen Analysen liefert er bis heute wichtige Impulse für eine kritische Auseinandersetzung mit Macht, Privilegien und Verteilungsgerechtigkeit in Deutschland.