Die AI for Good Veranstaltung mit einer Podiumsdiskussion
ITU Pictures | CC BY 2.0

KI für das Gemeinwohl

Wie kann Künstliche Intelligenz dem Gemeinwohl dienen? Entdecke Chancen, Lösungen und Beispiele für eine gerechtere Zukunft. Jetzt informieren und mitmachen!

Die AI for Good Veranstaltung mit einer Podiumsdiskussion
ITU Pictures | CC BY 2.0

Künstliche Intelligenz für das Gemeinwohl

Entdecke das enorme Potenzial künstlicher Intelligenz und erfahre, wie wir ihre Entwicklung aktiv zum Wohle der Allgemeinheit gestalten können. Unser Leitfaden bietet dir umfassende Informationen darüber, wie sich zentrale Herausforderungen bewältigen lassen – etwa die Auflösung der Monopole der Big-Tech-Unternehmen und die Schaffung wirksamer Regulierungen –, damit wir KI verantwortungsvoll nutzen können, um globale Probleme wie den Klimawandel und Pandemien zu bekämpfen und mehr globale Gerechtigkeit zu fördern.

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Allgemeine Informationen zu KI und Gemeinwohl

Während sich die Technologie rasant weiterentwickelt und den Regulierungen und wichtigen Schutzvorkehrungen davonläuft, dürfen die Gefahren und ethischen Auswirkungen von KI keinesfalls unterschätzt werden. Ebenso wenig sollten wir jedoch ihr Potenzial unterschätzen, positive Veränderungen im echten Leben zu ermöglichen.

Die Bewegung, KI für das Gemeinwohl einzusetzen, verändert bereits jetzt die Art und Weise, wie NGOs, Wohltätigkeitsorganisationen und sogar globale Institutionen daran arbeiten, die dringendsten Herausforderungen der Menschheit zu bewältigen.

Der Einsatz von KI hat Prozesse beschleunigt, die Effizienz gesteigert, Kosten gesenkt, dabei geholfen, Muster zu erkennen, und ermöglicht, riesige Datenmengen zu durchsuchen und auszuwerten. KI-Modelle können jedoch Kontext übersehen und auch Vorurteile und Verzerrungen aufweisen. Besorgniserregend ist zudem, dass sie bereits auf Grundlage sehr weniger Informationen ein hohes Maß an Sicherheit vermitteln können.

Die Vorteile von KI zeigen sich am deutlichsten, wenn sie in Zusammenarbeit mit menschlicher Intelligenz eingesetzt wird. Menschen bringen vielfältige Formen logischer Entscheidungsfindung, auf Fakten basierende Meinungen und die nicht ersetzbare menschliche Vorstellungskraft ein. Sie bringen außerdem unverzichtbare Perspektiven mit, die von Empathie und Verantwortungsbewusstsein geprägt sind.

Ein humanoider Roboter mit einem realistischen Gesicht steht vor einem blauen Banner für den AI for Good Global Summit 2017.
Flickr | ITU Pictures

AI For Good Global Summit

AI for Good ist die führende Plattform der Vereinten Nationen zur Förderung von KI-Standards, Kompetenzen, politischen Rahmenbedingungen und Partnerschaften, um globale Herausforderungen zu bewältigen. Sie wurde 2017 von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU), der UN-Organisation für digitale Technologien, ins Leben gerufen.

Jedes Jahr findet in Genf ein Gipfeltreffen statt, an dem mehr als 50 weitere UN-Organisationen beteiligt sind. Ziel ist es, KI-Expertinnen und -Experten mit globalen Führungspersönlichkeiten zusammenzubringen, um KI-Lösungen voranzutreiben und umzusetzen, die zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs) beitragen.

Ihre Mission lautet: Das Potenzial von KI für den Dienst an der Menschheit freisetzen, indem Kompetenzen und Standards aufgebaut und Partnerschaften zur Lösung globaler Herausforderungen vorangetrieben werden.“

Der Gipfel 2026 fand vom 7. bis 10. Juli statt. Im Mittelpunkt standen die Entwicklung neuer Rahmenbedingungen für Vertrauen in agentische KI, Initiativen zum Ausbau von Kapazitäten in Entwicklungsländern sowie neue Investitionszusagen, um die globale digitale Kluft zu verringern.

Eine Person in einem dunklen Hemd steht vor einem eingestürzten Gebäude und begutachtet die Schäden nach einer Katastrophe.
Department of Foreign Affairs and Trade | CC BY 2.0

Wie KI dazu beitragen kann, eine bessere Welt zu schaffen

NGOs und gemeinnützige Organisationen setzen KI bereits ein, um ihre Effizienz zu steigern, die Arbeit vor Ort zu optimieren, Förderanträge zu formulieren, Daten zu analysieren, Berichte zusammenzufassen, Prognosemodelle zu erstellen und Satellitenbilder auszuwerten.

Die Vorteile zeigen sich besonders deutlich in den folgenden Bereichen:

Humanitäre Hilfe & Katastrophenhilfe

In Krisensituationen ist der richtige Zeitpunkt entscheidend. KI hilft NGOs dabei, mithilfe prädiktiver Logistik schneller und gezielter zu reagieren. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) nutzt KI, um Lieferwege für humanitäre Hilfe in abgelegenen Regionen zu optimieren.

Das International Rescue Committee (IRC) setzt KI-gestützte Chatbots ein, um Familien in aktiven Konfliktgebieten in Echtzeit Unterstützung und lebensrettende Informationen bereitzustellen.

Gesundheitsversorgung & Krankheitsprävention

KI verbessert den Zugang zu medizinischer Expertise in Regionen, die bislang nur unzureichend versorgt sind. Sie unterstützt bei der Früherkennung von Krankheiten, indem medizinisches Personal kurze Smartphone-Videos von Neugeborenen aufnehmen und mithilfe von Computer Vision deren Gewicht schätzen sowie frühe Anzeichen von Mangelernährung erkennen kann.

Auch bei der Überwachung von Epidemien hat sich KI als entscheidend erwiesen: Organisationen können Machine-Learning-Modelle einsetzen, um Klima- und Bevölkerungsdaten zu analysieren, Krankheitsausbrüche vorherzusagen und Maßnahmen zu ihrer Eindämmung einzuleiten, bevor sie sich weiter ausbreiten.

Umweltschutz & Klimawandel

Der Schutz der Biodiversität und die Überwachung des Zustands unseres Planeten erfordern die Verarbeitung riesiger Datenmengen. Um Abholzung zu überwachen, können KI-Plattformen Satellitenbilder in Echtzeit analysieren und illegale Abholzung erkennen.

KI kann auch dabei helfen, Wilderei zu verhindern. Prädiktive Algorithmen analysieren historische Daten über Wilderei und unterstützen Wildhüterinnen und Wildhüter dabei, Patrouillen in Nationalparks gezielter und effektiver einzusetzen.

Eine Statistik, wie die Deutschen KI sehen
statista - CC BY-ND 3.0

Beispiele aus der Praxis

rAInbow – Entwickelt von Aapulu Labs ist diese dialogbasierte KI ein digitaler Begleiter und eine Informationsquelle für Überlebende häuslicher Gewalt.

Eureka – Ein intelligenter persönlicher Assistent, der Geflüchteten dabei hilft, sich in den komplexen rechtlichen und bürokratischen Strukturen ihrer neuen Aufnahmeländer zurechtzufinden.

Annie MOORE – Eine Software, die Pflegefamilien und Geflüchtete einander zuordnen kann. Sie hat zu einem beeindruckenden Anstieg der Beschäftigungsquote bei neu angesiedelten Geflüchteten beigetragen – von 22 % auf 38 %.

Plantix – Eine KI-gestützte App, die Pflanzenkrankheiten, Schädlinge und Nährstoffmangel diagnostiziert. Mithilfe eines Fotos der betroffenen Pflanze erhalten Landwirtinnen und Landwirte sofort eine Identifikation des Problems sowie individuell angepasste biologische oder chemische Behandlungspläne, lokale Wettervorhersagen und Berechnungen zum Düngemitteleinsatz.

Forensic Architecture – Diese Forschungsagentur nutzt räumliche und architektonische Analysen in Kombination mit KI und Machine Learning, um Menschenrechtsverletzungen und staatliche Gewalt zu untersuchen.

Die Bernie-Sanders-Initiative

Im Juni 2026 stellte der progressive Senator Bernie Sanders den American AI Sovereign Wealth Fund Act vor. Dieser Gesetzesvorschlag sieht vor, der Öffentlichkeit eine Beteiligung von 50 % an den größten KI-Unternehmen der USA zu verschaffen. Als zentrale Gründe für diesen Vorstoß nennt er die Risiken, die KI für Arbeitsplätze, Privatsphäre und Demokratie mit sich bringt.

Der Gesetzentwurf sieht eine einmalige Steuer in Höhe von 50 % auf die Aktien der größten KI-Unternehmen vor. Diese Aktien würden in einen Staatsfonds eingebracht, der im Falle seiner Einrichtung auf einen Wert von 7 Billionen US-Dollar geschätzt wird. Damit solle „sichergestellt werden, dass KI der Menschheit zugutekommt und nicht nur den reichsten Menschen der Welt“.

Der Fonds würde von einer Independent Commission for Democratic AI verwaltet, die sicherstellen soll, dass er im öffentlichen Interesse eingesetzt wird. Außerdem müssten große Unternehmen, die sowohl KI- als auch Nicht-KI-Geschäfte betreiben, aufgespalten werden, damit sie versuchen können, die öffentliche Beteiligung zu umgehen.

Eine Statistik, wie (un)frei das Internet weltweit ist
statista - CC BY-ND 3.0

Herausforderungen beim Einsatz von KI für das Gemeinwohl

Das Potenzial, KI im sozialen Bereich einzusetzen und damit tatsächlich etwas in der Welt zu verändern, ist enorm. Obwohl sich KI noch in einer frühen Entwicklungsphase befindet und Regulierung und Schutzvorkehrungen bislang unzureichend sind, müssen zunächst einige Herausforderungen bewältigt werden:

  • Die digitale Kluft: Mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung ist weiterhin offline. Damit KI tatsächlich eine Kraft für das Gemeinwohl sein kann, müssen wir sicherstellen, dass technologische Fortschritte die Kluft zwischen vernetzten und nicht vernetzten Gemeinschaften nicht noch weiter vergrößern.
  • Algorithmische Verzerrungen: KI-Modelle werden mit Daten aus wohlhabenden Ländern trainiert. Werden sie in Entwicklungsregionen eingesetzt, sind die Ergebnisse nicht ohne Weiteres übertragbar und dürfen nicht verallgemeinert werden. Es müssen lokale Datensätze aufgebaut werden, um wirksame Lösungen entwickeln zu können.
  • Nachhaltigkeit & Finanzierung: Anders als die Tech-Giganten im Silicon Valley, deren Interessen auf Profitmaximierung und Raumfahrt ausgerichtet sind, fehlt NGOs, die Menschen unterstützen, das nötige Kapital, um komplexe KI-Infrastrukturen aufzubauen, zu betreiben und langfristig zu erhalten.
  • Ethik & Privatsphäre: Besonders schutzbedürftige Gemeinschaften, die KI am dringendsten benötigen, müssen geschützt werden. Strenge Regeln für den Umgang mit Daten und entsprechende Regulierung sind erforderlich, um Überwachung oder Datenlecks zu verhindern.
  • Der Energie- und Wasserverbrauch: Der enorme Energie- und Wasserverbrauch von Rechenzentren, die für den Betrieb von KI benötigt werden, schafft ein Paradoxon. KI-Systeme verbrauchen bereits heute jährlich Hunderte Milliarden Liter Wasser. Bis 2030 könnte der weltweite Wasserverbrauch von Rechenzentren 9,3 Billionen Liter erreichen. Im selben Jahr werden sie voraussichtlich 3–4 % der weltweiten Stromproduktion benötigen, um zu funktionieren.

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Die ethischen Herausforderungen und Gefahren von KI sind unbestreitbar und werden derzeit sicherlich noch nicht ausreichend reguliert. Dennoch dürfen wir ihr Potenzial, positive Veränderungen in der Welt zu bewirken, nicht ignorieren.

Die oben genannten Beispiele zeigen, dass KI, wenn sie verantwortungsvoll eingesetzt und an ethischen Grundsätzen ausgerichtet wird, ein wirkungsvolles Instrument zur Lösung drängender globaler Probleme sein kann.

Um ihr Potenzial für das Gemeinwohl vollständig auszuschöpfen, müssen wir eine strenge Governance, Maßnahmen zur Verringerung von Verzerrungen und transparente Systeme schaffen, die Menschenrechte schützen und vertrauenswürdige Ergebnisse gewährleisten.

„Die Zukunft der KI und das Schicksal der Menschheit dürfen nicht hinter verschlossenen Türen im Silicon Valley von Milliardären bestimmt werden, die ihre Macht und ihren Profit maximieren wollen. Sie müssen von Arbeiterinnen und Arbeitern, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern, Künstlerinnen und Künstlern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Gemeinschaften und der amerikanischen Bevölkerung bestimmt werden.“

Autorin: Rachael Mellor, 18.07.26, Update: 28.07.26, Übersetzung: Maximilian Stark, 18.08.26 lizensiert unter CC BY-SA 4.0