Rahmstorf auf dem EPP Zagreb Congress in Kroatien
Wiki | European People's Party - CC BY 2.0

Stefan Rahmstorf (D)

Klimaforscher Stefan Rahmstorf: Aktuelle Erkenntnisse zum Klimawandel, zum Golfstrom und zur Ozeanforschung. Jetzt informieren und Fakten lesen!

 Rahmstorf auf dem EPP Zagreb Congress in Kroatien
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➡️ Stefan Rahmstorf - Klimaforscher, Ozeanograf und Experte für den Klimawandel

Stefan Rahmstorf ist ein deutscher Ozeanograf und Klimaforscher, der zu den international bekanntesten Stimmen der Klimaforschung gehört – insbesondere dann, wenn es um Ozeanströmungen, Kipppunkte im Klimasystem und die langfristigen Risiken der globalen Erwärmung geht.

Er ist weniger der Typ Wissenschaftler, der ausschließlich im akademischen Raum arbeitet, sondern gehört zu jener Gruppe von Forschern, die ihre Ergebnisse aktiv in die öffentliche Debatte einbringen. Seit Jahrzehnten ist er eng mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) verbunden und seit 2000 Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam.

Sein wissenschaftlicher Werdegang begann nicht direkt in Deutschland: Er studierte physikalische Ozeanografie an der Universität Bangor in Wales und promovierte anschließend 1990 an der Victoria University of Wellington in Neuseeland. Danach arbeitete er unter anderem am New Zealand Oceanographic Institute und am Institut für Meereskunde in Kiel, bevor er nach Potsdam wechselte. Früh spezialisierte er sich auf die Frage, wie Ozeane und Meeresströmungen das globale Klima beeinflussen – ein Gebiet, das damals zwar wichtig, aber noch deutlich weniger im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit stand als heute.

Eine Grafik, die verdeutlicht, dass wir den Klimawandel nicht ernst genug nehmen
statista - CC BY-ND 3.0

AMOC, Golfstrom und Kipppunkte: Wofür Stefan Rahmstorf international bekannt wurde

International bekannt wurde Rahmstorf vor allem durch Arbeiten zur sogenannten thermohalinen Zirkulation beziehungsweise zur atlantischen Umwälzzirkulation (AMOC – Atlantic Meridional Overturning Circulation). Vereinfacht gesagt beschreibt diese Strömung ein riesiges globales „Förderband“ aus Meeresströmungen, zu dem auch der Golfstrom gehört. Rahmstorf untersuchte seit den 1990er Jahren die Möglichkeit, dass die Erderwärmung diese Strömung abschwächen könnte.

Seine Forschung betonte dabei nicht nur allmähliche Veränderungen, sondern auch das Risiko sogenannter Kipppunkte: Zustände, bei denen das Klimasystem plötzlich in eine neue stabile Lage übergehen könnte. Arbeiten zu einer möglichen Abschwächung der AMOC und deren Folgen – etwa regionale Temperaturänderungen, Meeresspiegeländerungen oder Veränderungen von Wettermustern – gehören zu seinen bekanntesten wissenschaftlichen Beiträgen.

Ein zweites wichtiges Feld seiner Arbeit betrifft den Meeresspiegelanstieg und langfristige Klimarisiken. Rahmstorf argumentierte früh, dass frühere Projektionen den Anstieg möglicherweise unterschätzen könnten, wenn Rückkopplungen im Klimasystem stärker ausfallen als angenommen. Er arbeitete außerdem an Paläoklimaforschung – also der Untersuchung früherer Klimaperioden –, um zu verstehen, wie empfindlich das Erdsystem auf Veränderungen reagiert.

Rahmstorf war außerdem einer der Leitautoren des vierten Sachstandsberichts des Intergovernmental Panel on Climate Change, also des Weltklimarats. Dieser Bericht trug später zum Friedensnobelpreis des IPCC im Jahr 2007 bei. Er gründete außerdem den Wissenschaftsblog RealClimate mit, der Forschungsergebnisse allgemeinverständlich erklären soll.

Prof. Dr. Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung spricht beim 12. globalen Klimastreik von Fridays for Future in Berlin
Flickr | Stefan Müller - CC BY 2.0

CO₂-Reduktion, Energiewende und Umweltschutz: Die wichtigsten Forderungen von Stefan Rahmstorf

Im Kern vertritt Rahmstorf eine sehr klare Linie: Die globale Erwärmung ist überwiegend menschengemacht und stellt ein erhebliches Risiko für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft dar, weshalb aus seiner Sicht schnelle und umfassende politische Gegenmaßnahmen notwendig sind. Diese Position führt ihn in der Debatte häufig in die Nähe einer konsequenten Klimaschutzpolitik, ohne dass er selbst parteipolitisch gebunden wäre.

Ein zentraler Punkt seiner öffentlichen Aussagen ist die Forderung nach einer starken Reduktion der Treibhausgasemissionen, insbesondere von CO₂. Rahmstorf unterstützt in diesem Kontext regelmäßig marktwirtschaftliche Instrumente wie eine wirksame CO₂-Bepreisung (z. B. über Emissionshandel oder CO₂-Steuern), betont aber zugleich, dass solche Instrumente nur dann ausreichen, wenn sie politisch ambitioniert genug ausgestaltet sind. Er argumentiert, dass der bisherige politische Rahmen – etwa in der EU oder global – oft nicht ausreicht, um die im Pariser Pariser Klimaabkommen festgelegten Temperaturziele zuverlässig einzuhalten.

Eng damit verbunden ist seine klare Unterstützung für den schnellen Ausstieg aus fossilen Energieträgern, insbesondere Kohle. Rahmstorf zählt zu denjenigen Wissenschaftlern, die betonen, dass Kohleverstromung aufgrund der hohen CO₂-Emissionen besonders problematisch ist und daher priorisiert reduziert werden müsse. Gleichzeitig spricht er sich für den massiven Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarenergie aus, verbunden mit einem Umbau der Energieinfrastruktur (Netze, Speicher, Flexibilisierung), um Versorgungssicherheit trotz wetterabhängiger Erzeugung zu gewährleisten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt seiner Positionen ist die Betonung sogenannter Klimarisiken und Kipppunkte. Rahmstorf argumentiert politisch daraus abgeleitet, dass Klimapolitik nicht nur „schrittweise Optimierung“ sein dürfe, sondern Risikopolitik sei: Da bestimmte Veränderungen im Klimasystem möglicherweise irreversibel sind (z. B. Eisschilde oder Ozeanzirkulationen), sei Vorsorge besonders wichtig. Daraus folgt bei ihm oft die Forderung nach schnellem Handeln statt langfristigem Abwarten auf perfekte technische Lösungen.

In der öffentlichen Debatte ist Rahmstorf zudem deutlich in seiner Kritik an klimaskeptischen Argumentationsmustern. Er widerspricht regelmäßig Aussagen, die den menschengemachten Klimawandel grundsätzlich infrage stellen oder wissenschaftliche Unsicherheiten als Begründung für politische Untätigkeit verwenden. Dabei betont er, dass Unsicherheiten in der Klimaforschung meist die Risiken eher vergrößern als relativieren – ein Standpunkt, der in der Klimakommunikation politisch relevant ist, weil er Vorsorgepolitik begründet.

Autor: Maximilian Stark 02.06.26, lizenziert unter CC BY-SA 4.0

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