Digitale Infrastruktur der Zivilgesellschaft in Österreich
Wie steht es um die digitale Infrastruktur der Zivilgesellschaft in Österreich? Von zivilen Netzwerken bis hin zu professionellen NGOs.
Digitale Infrastruktur der Zivilgesellschaft in Österreich
Die digitale Infrastruktur der ➡️ Zivilgesellschaft in Österreich umfasst die Werkzeuge, Netzwerke, Förderstrukturen und Rahmenbedingungen, mit denen Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Vereine, Initiativen und Aktivist:innen ihre Arbeit organisieren und gesellschaftliche Anliegen digital umsetzen.
Wir leben in einer Zeit der Informationsüberflutung. Noch nie war es so leicht, sich zu informieren, und noch nie war es so leicht, durch Desinformation, Filterblasen & Algorithmen manipuliert zu werden. Demokratische Bildung braucht im digitalen Raum eine andere Infrastruktur – Orte der Verlässlichkeit und Ordnung statt des algorithmischen Chaos.
Die Medien und die Zivilgesellschaft konkurrieren täglich um die Aufmerksamkeit der Menschen mit den gigantischen, kommerziellen U.S. Plattformen im Netz. Dabei werden sie immer weiter zurückgedrängt und von der Regierung und der EU-Kommission weitgehend im Stich gelassen! Frage: Wie können wir als Zivilgesellschaft unsere Kräfte bündeln, digitale Räume aktiv mitgestalten und demokratische Alternativen stärken, statt das Feld kampflos den Algorithmen der Big-Tech-Konzerne zu überlassen?“
Einen wichtigen Ansatz bietet der Netzpolitische Abend AT in Wien, Treffen jeden 1. Donnerstag im Monat (#NetzPAT). besserewelt.info begreift sich als Teil der digitalen Infrastruktur der Zivilgesellschaft und wird in Zukunft auch teilnehmen.
Tipp: Unser Leitfaden zu den Gefahren von Big Tech & Silicon Valley
Tipp: Unser Ratgeber zum Digital Independence Day
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Die digitale Infrastruktur der Zivilgesellschaft in Österreich teilt sich im Wesentlichen in vier Säulen auf:
1. Technologische Basis, Server-Infrastruktur und Plattformen
Zivilgesellschaftliche Organisationen nutzen unterschiedliche technische Lösungen, abhängig von ihren Ressourcen und Aufgaben. Eine wichtige Rolle spielen selbstverwaltete Server und offene Software, die mehr digitale Unabhängigkeit ermöglichen.
Unabhängige Infrastruktur und Open Source: Organisationen wie servus.at in Linz und mur.at in Graz stellen Server, E-Mail-Dienste und Webspace für Kunst-, Kultur- und Sozialinitiativen bereit. FunkFeuer betreibt freie Community-Funknetze, während Initiativen wie Drupal Austria offene Softwarelösungen fördern. Ergänzend nutzen viele Vereine vergünstigte Angebote wie Microsoft 365 for Nonprofits, Google for Nonprofits und Stifter-helfen.
Engagement, Beteiligung und Finanzierung: Digitale Plattformen unterstützen Petitionen, politische Beteiligung und gesellschaftliche Projekte. Dazu zählen #aufstehn, OpenPetition Österreich und wahlkabine.at. Respekt.net ermöglicht Crowdfunding für gesellschaftliche Initiativen. Für Recherche und Wissensvermittlung sind unter anderem besserewelt.info und Wikimedia Österreich relevant.
2. Netzwerke, digitale Grundrechte und freie Medien
Die digitale Zivilgesellschaft setzt sich für Datenschutz, digitale Selbstbestimmung, freie Information und einen menschenorientierten Umgang mit Technologie ein. Damit knüpft sie an das Konzept des Digitalen Humanismus an, das den Menschen und seine Grundrechte ins Zentrum der Digitalisierung stellt.
Datenschutz, Netzpolitik und Transparenz: epicenter.works engagiert sich für digitale Grundrechte, Datenschutz, Netzneutralität und gegen übermäßige Überwachung. noyb geht europaweit gegen Datenschutzverletzungen vor. Weitere wichtige Akteure sind die ARGE Daten, das Forum Informationsfreiheit und Transparency International Austria, die sich für Datenschutz, Informationsfreiheit und die Kontrolle staatlicher sowie wirtschaftlicher Macht einsetzen.
Freie Software, IT-Sicherheit und Wissen: Der Chaos Computer Club Wien, das Metalab in Wien und weitere Hackerspaces bieten Raum für technischen Austausch, IT-Sicherheit und digitale Selbstverteidigung. Die Free Software Foundation Europe und die Open Knowledge Foundation fördern freie Software, offenes Wissen und transparente Daten.
Freie Medien und digitale Teilhabe: Der Verband Freier Rundfunk Österreich und Community-Radios wie Radio Orange, Radio FRO und Radio Helsinki stärken unabhängige Medien; das Cultural Broadcasting Archive stellt Beiträge öffentlich zugänglich bereit. Initiativen wie Mimikama klären über Falschmeldungen und Internetbetrug auf, während Saferinternet.at Medienkompetenz vermittelt und ZARA Betroffene von Hass im Netz unterstützt. Für digitale Barrierefreiheit und Inklusion setzen sich unter anderem BIZEPS und capito ein.
3. Schnittstellen zu Staat und Verwaltung
Die Zivilgesellschaft nutzt staatliche digitale Angebote, begleitet deren Entwicklung kritisch und setzt sich für mehr Transparenz und Beteiligung ein. Das Portal data.gv.at stellt Open Government Data bereit, die für Recherchen, Transparenzprojekte und digitale Anwendungen genutzt werden können. Die digitale Verwaltung über ID Austria und weitere E-Government-Angebote eröffnet neue Möglichkeiten, wirft aber auch Fragen zu Datenschutz, Zugänglichkeit und digitaler Selbstbestimmung auf.
Organisationen wie das Forum Informationsfreiheit setzen sich für einen besseren Zugang zu staatlichen Informationen ein. Initiativen zur digitalen Kompetenzvermittlung, darunter Angebote im Rahmen der Digitalen Kompetenzoffensive, sollen Menschen befähigen, digitale Technologien sicher und selbstbestimmt zu nutzen.
4. Herausforderungen und zentrale Forderungen
Trotz der vielfältigen Initiativen bestehen strukturelle Probleme, die die digitale Handlungsfähigkeit der Zivilgesellschaft einschränken:
- Finanzierung: Viele Förderungen sind projektgebunden, während laufende Kosten für Server, Wartung und IT-Sicherheit dauerhaft anfallen. Erforderlich sind langfristige Strukturförderungen für freie Software und deren Instandhaltung.
- Digitale Souveränität: Die Abhängigkeit von großen internationalen Technologiekonzernen erschwert die Kontrolle über Daten und digitale Infrastruktur. Das Prinzip „Public Money, Public Code“ soll sicherstellen, dass öffentlich finanzierte Software möglichst frei zugänglich und wiederverwendbar ist.
- Demokratische Mitbestimmung: Zivilgesellschaftliche Organisationen müssen stärker in digitalpolitische Entscheidungen und staatliche Digitalisierungsgremien eingebunden werden.
- IT-Sicherheit: Phishing, DDoS-Angriffe und andere Cyberbedrohungen gefährden auch gemeinnützige Organisationen, denen häufig die Mittel für umfassenden Schutz fehlen. Gemeinsame Sicherheitsangebote, Beratung und Schulungen könnten ihre Widerstandsfähigkeit stärken.
- Barrierefreiheit und Teilhabe: Digitale Angebote müssen so gestaltet sein, dass Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Sprachkenntnissen und technischen Voraussetzungen sie nutzen können.
Dachverbände wie die IGO, der Fundraising Verband Austria und das Bündnis für Gemeinnützigkeit vertreten die Interessen gemeinnütziger Organisationen und können dazu beitragen, digitale Anforderungen stärker in Förder- und politische Rahmenbedingungen einzubringen.
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Welche netzpolitischen Organisationen gibt es in Österreich und was sind ihre Hauptthemen?
Die netzpolitische Landschaft in Österreich zeichnet sich durch spezialisierte Organisationen aus, die unterschiedliche Ausrichtungen verfolgen – von grundrechtlicher Advocacy und Gesetzesbegutachtung über Hacktivismus und freie Software bis hin zu Konsumentenschutz und Medienkompetenz. - Die wichtigsten Organisationen im Überblick:
1. Grundrechte, Überwachung & Gesetzgebung
- epicenter.works (Plattform Grundrechtspolitik)
- Fokus: Österreichs größte zivilgesellschaftliche NGO für digitale Grund- und Menschenrechte.
- Hauptthemen: Überwachungsstaat (z. B. Bekämpfung von Bundestrojaner, Vorratsdatenspeicherung, Massenüberwachung), Netzneutralität, Plattformregulierung auf EU-Ebene (DSA, DMA, Chatkontrolle) sowie eIDAS/digitale Identitäten. Sie engagiert sich stark in der parlamentarischen Begutachtung von Gesetzen.
- noyb.eu: Europäisches Zentrum für digitale Rechte (Max Schrems), Datenschutz-NGO, für digitale Souveränität zentral.
- Amnesty International Österreich (Bereich Digital Rights)
- Fokus: Die Menschenrechtsorganisation betreibt eigene Schwerpunkte im Bereich Technologie und Menschenrechte.
- Hauptthemen: Regulierung von KI (z. B. Gesichtserkennung im öffentlichen Raum), Diskriminierung durch Algorithmen sowie der Schutz von Aktivist:innen vor digitaler Spionage (z. B. durch Commercial Spyware).
2. Freies Wissen, Open Data & Freie Software
- Wikimedia Österreich (WMAT)
- Fokus: Vertretung und Förderung der globalen Wikimedia-Projekte (wie Wikipedia) in Österreich.
- Hauptthemen: Freies Wissen, Open Access, Reform des Urheberrechts zugunsten von Bildungs- und Gemeinfreiheit sowie die Unterstützung der lokalen Communitys.
- Open Knowledge Maps & Open Data Community (z. B. OKFN Austria)
- Fokus: Initiativen für die Freigabe und Bereitstellung öffentlicher Daten.
- Hauptthemen: Open Government Data (OGD), Transparenz der Verwaltung, quelloffene Bildungsressourcen und offene Wissenschaft (Open Science).
- OSB Alliance (de) / Freie-Software-Initiativen
- Fokus: Förderung quelloffener Software (Open-Source).
- Hauptthemen: Digitale Souveränität, Stärkung von Open-Source-Ökosystemen in Schule und Verwaltung sowie das Prinzip „Public Money, Public Code“.
3. IT-Sicherheit, Hacktivismus & Technikfolgen
- Chaos Computer Club Wien (C3W)
- Fokus: Der Wiener Ableger des weltweiten Chaos Computer Clubs vereint Hacker-Kultur, IT-Sicherheit und Gesellschaftskritik.
- Hauptthemen: Technische Aufklärung über Sicherheitslücken, Verschlüsselung, IT-Sicherheitssysteme des Staates, kritische Begutachtung von E-Government-Strukturen sowie digitale Selbstverteidigung.
4. Konsumentenschutz, Medienpädagogik & Anti-Diskriminierung
- ÖIAT (Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation)
- Fokus: Unabhängige Organisation zur Förderung der sicheren Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien.
- Projekte & Themen:
- Saferinternet.at: Förderung von Medienkompetenz bei Kindern, Jugendlichen, Eltern und Lehrenden.
- Watchlist Internet & Fakeshop-Finder: Schutz vor Betrug, Phishing und Fake-Shops.
- Internet Ombudsstelle: Schlichtung bei Online-Konsumentenproblemen.
- ZARA (Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit)
- Fokus: Beratungsstelle gegen Rassismus, Hass und Diskriminierung im Netz.
- Hauptthemen: Digitale Zivilcourage, Bekämpfung von Hate Speech, Unterstützung von Betroffenen digitaler Gewalt und Mitwirkung im No Hate Speech Komitee.
- ARGE Daten: Datenschutz Verein (Hans Zeger)
Zusammenfassung der zentralen Kernfragen
Die netzpolitischen Debatten in Österreich drehen sich schwerpunktmäßig um:
- Datenschutz vs. Innere Sicherheit: Der Konflikt zwischen Ermittlungsbefugnissen der Sicherheitsbehörden (z. B. Überwachung verschlüsselter Nachrichtendienste) und Bürgerrechten.
- EU-Gesetzgebung: Nationale Umsetzung und Begleitung von EU-Verordnungen (AI Act, Chatkontrolle, Digital Services Act).
- Digitale Souveränität: Reduzierung der Abhängigkeit von US-Technologiekonzernen im öffentlichen Sektor und im Bildungsbereich.
- Schutz im Netz: Balance zwischen der Bekämpfung von Hass im Netz / Fakes und dem Erhalt der Meinungsfreiheit.
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Wo passt Bessere Welt Info am besten hin?
Bessere Welt Info lässt sich primär der Säule 1: Technologische Basis & Plattformen zuordnen, insbesondere dem Bereich Engagement, Information und Vernetzung. Die Plattform fungiert als barrierearmes, gemeinnütziges Wissensportal und Linkverzeichnis für die globale und regionale Zivilgesellschaft. Sie bündelt Informationen, Leitfäden, Artikel, Links und Kontakte zu Themen wie Frieden, Menschenrechte, Umwelt, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit. Damit stellt sie eine digitale Wissens- und Recherche-Infrastruktur für zivilgesellschaftliche Akteur, Aktivist und Non-Profit-Organisationen dar.
Gleichzeitig weist Bessere Welt Info eine deutliche Überschneidung mit dem Bereich Freies Wissen & zivilgesellschaftlicher Diskurs auf. Ähnlich wie Wikimedia oder Open Knowledge verfolgt die Plattform den Ansatz, Wissen gemeinnützig, frei zugänglich und ohne kommerzielle Interessen bereitzustellen. Der besondere Schwerpunkt liegt jedoch auf gesellschaftlichem Engagement, NGOs, Aktivismus und alternativen Medien. Für die österreichische Zivilgesellschaft ist dabei relevant, dass neben internationalen und deutschlandweiten Inhalten auch österreichische Initiativen, Vereine und Kampagnen strukturiert sichtbar gemacht werden.
Zusammenfassend ist Bessere Welt Info als unabhängiges, nicht-kommerzielles Wissens- und Linkportal mit den Schwerpunkten Frieden, Umwelt und Klima, Menschenrechte, Entwicklungszusammenarbeit und soziale Gerechtigkeit einzuordnen. Die Zielgruppen umfassen NGOs, Journalist, Schulen und Universitäten, Aktivist sowie politisch interessierte Bürger. Vergleichbare Akteure sind Wikipedia/Wikimedia im Bereich des freien Wissens, Respekt.net hinsichtlich Vernetzung und zivilgesellschaftlichem Engagement sowie alternative Medien im Bereich unabhängiger Information. Seine besondere Funktion liegt somit an der Schnittstelle von digitaler Infrastruktur, freiem Wissen, Vernetzung und gesellschaftspolitischer Information.
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Autor: Dr. Norbert Stute, Hinweise von Nico Grienauer, Datum: 04.10.26, Update: 06.10.26
Work in Progress. Hinweise und Mitarbeit willkommen.
Weitere Ressourcen
Handverlesene Quellen & Weiterführende Ressourcen für Digitale Infrastruktur der Zivilgesellschaft in Österreich
- Digitale Werkzeuge für die Demokratie - Digitales Wien
- Digitale Infrastruktur - Digital Austria
- Digital Innovation Hubs
- Digitalisierung der Gesellschaft - Digital Austria
- Digitale Infrastruktur - Arbeiterkammer Wien
- Aus der Krise lernen: Digitale Zivilgesellschaft stärken! - Germanwatch
- Digitale Infrastruktur stärken: Randknoten für eine vernetzte Zukunft - Digital Austria
- Big Tech und Menschenrechte: Die Tür im goldenen Käfig - Amnesty 25.09.26
- Der Großteil der heimischen Daten liegt nicht unter österreichischer Kontrolle - Presse 15.09.26
- Expertin Julia Kloiber: "Digitale Infrastruktur eine Frage sozialer Gerechtigkeit" - Standard 26.04.21