Altersarmut in Österreich - Hilfsangebote


Lebenssituation und Prävention von Altersarmut

Im Jahr 2016 galten in Österreich von den über 65-Jährigen ca. 212.000 von 1.5 Millionen als armuts- und ausgrenzungsgefährdet, darunter befinden sich ca. 143.000 betroffene Frauen. Es lässt sich feststellen, dass Altersarmut großteils Frauen betrifft. Das liegt zum einen daran, dass der Anteil der älteren Frauen höher ist als bei den Männern. Zum anderen tragen auch Karenzzeiten und Teilzeitbeschäftigung zur Armut der älteren Frauen bei. Weil das Pensionssystem nach bezahlter Arbeit ausgerichtet ist, kann aus den genannten Gründen leider generell Altersarmut resultieren. Dieselbe Situation trifft demnach auch Langzeitarbeitslose und Menschen mit niedrigem Einkommen.

Vielen Frauen ist nicht klar, dass das Risiko der Altersarmut aufgrund fehlender Erwerbsjahre steigen kann. Selbst wenn sich Frauen mittlerweile gleichberechtigter fühlen, lastet speziell auf den Frauen ein hoher Druck. Denn in den meisten Fällen sind sie es, die während der Kindererziehung nicht arbeiten oder einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen, um Zeit für die Kinder zu haben. Dadurch verlieren sie allerdings wertvolle Erwerbsjahre, welche sie in der Pension vermissen. Zum Beispiel bekommen Angestellte bei einem monatlichen Verdienst von 1.500€ nach 45 Arbeitsjahren in der Pension monatlich 1.200€ ausbezahlt. Anderes gilt in diesem Fall für Teilzeitangestellte, welche im Monat nur mehr 600€ aus der Pensionskasse bekommen würden. Im Gegensatz zur Teilzeitbeschäftigung stehen Frauen in der Karenz nur ca. 28€ jährlich zu, welche auf das Pensionskonto angerechnet werden können. Demnach haben Frauen nach 4 Jahren Karenz einen Anspruch von 112€ im Monat. Daher ist es auch notwendig, politische Reformen anzustreben und die Betroffenen zu unterstützen.

Ein relativ unbekannter Weg in Österreich ist das Pensionssplitting, das eine Option für Paare darstellt. In diesem Fall würde der Partner 50% seines Pensionsanteils dem Pensionskonto der Frau gutschreiben für den Zeitraum, in dem sie Zuhause ist und die Kinder erzieht. Eine andere Lösung wäre umgekehrt natürlich auch, dass der Mann die Karenz in Anspruch nimmt oder dass man sich allgemein die Elternteilzeit mit dem Partner aufteilt. Laut der Arbeiterkammer kann es zusätzlich sinnvoll sein, die Stunden aufzustocken bei einer Teilzeitbeschäftigung, Höherversicherungen auf freiwilliger Basis sowie Schul- und Studienzeiten nachzukaufen, um in Alter nicht in Armutsverhältnisse abzurutschen.


Hilfe bei Altersarmut: Finanzielle Förderungen und Hilfsangebote

Es gibt einige Unterstützungsangebote, um den Betroffenen von Altersarmut zu helfen. Diese zeichnen sich beispielsweise durch staatliche Zuschüsse beim Wohnen, Mindestsicherung, Ermäßigungen bei öffentlichen Verkehrsmitteln und Pflegegeld aus. Außerdem gibt es auch einige soziale Anlaufstellen, die sich für die armutsgefährdete Bevölkerung einsetzen.

Mindestsicherung

Für ältere Menschen, deren Pension unter dem Minimum und damit unter der Armutsgrenze (1. 259€ für 2021) liegt, gibt es allgemein die Möglichkeit, staatlich geförderte Mindestsicherung zu beantragen. Die Zahlung soll dazu beitragen, Menschen aus der Armutsfalle herauszuhelfen. Diese finanzielle Unterstützung wechselt unter bestimmten Umständen ihren Wert und beträgt für Alleinstehende 949€ im Jahr 2021 und 424€ für Paare. Voraussetzungen dafür stellen eine österreichische Staatsbürgerschaft und Hauptwohnsitz in einem Bundesland in Österreich dar. Zusätzlich darf man entweder über kein Einkommen verfügen oder verfügt über weniger Einkommen als die Mindestsicherung ausmacht.

Wohnbeihilfe bei Armutsverhältnissen

Wohnbeihilfen sollen einkommensschwachen Haushalten unter die Arme greifen. Damit bietet diese auch ein Angebot für ältere Menschen, die von Armut betroffen sind. Jedoch unterscheiden sich die Kriterien der Wohnbeihilfe in jedem Bundesland zum Teil. Allgemein soll die Beihilfe dazu beitragen, Wohnraum und Heizung trotz steigender Betriebskosten leistbar zu halten. Zur Berechnung des Zuschusses werden Informationen rund um Haushaltseinkommen und Vermögen, Wohnungsgröße sowie der zumutbare Wohnungsaufwand betrachtet. Anspruch haben sowohl österreichische Staatsbürger sowie auch EU-Staatsbürger vorausgesetzt der betreffende Wohnort ist als Hauptwohnsitz gemeldet.

Zusätzlich hat das GB-Stadtteilcafe einige Hilfsangebote zu bieten. Das Cafe wird von der Gebietsbetreuung (kurz GB) organisiert. Sie unterstützen bei der Wohnungssuche, informieren über Mietrecht und viele andere Themen. Das Stadtteilcafe ist wie ein zeitlich begrenztes Event organisiert und taucht jährlich zu bestimmten Zeitpunkten in der Stadt Wien auf. Bei Kaffee und Kuchen kann man selbst mitdiskutieren über aktuelle Stadtentwicklungen und bekommt Tipps, wie man selbst aktiv werden kann.

Pflegegeld und Altersarmut

Das Pflegegeld dient zur Unterstützung pflegebedürftiger Personen und soll die Möglichkeit garantieren, dass sich Betroffene die Pflege leisten können und gleichzeitig länger in ihrer gewohnten Lebensumgebung verweilen können. Durch die Förderung soll garantiert werden, dass sich auch Betroffene von Altersarmut, Pflege und Hilfestellung leisten können. Meist deckt das Pflegegeld allerdings nicht den gesamten Kostenaufwand der Pflege ab, weshalb es als zusätzliche Hilfeleistung verstanden werden kann. Für die Pflege kommen verschiedene Angebote infrage, die von Hauskrankenpflege bis 24 Stunden Betreuung reichen.

Die Höhe des Geldes wird in 7 Stufen unterschieden und entspricht dem erforderlichen Ausmaß an Pflegebedarf. Auf Grundlage eines Sachverständigengutachtens wird die Pflegegeld-Stufe beim zuständigen Versicherungsträger festgestellt. Als Voraussetzungen für das Pflegegeld zählen: ständiger Betreuungs- und Hilfsbedarf (mindestens 65 Stunden im Monat) und Aufenthalt in Österreich, wobei unter bestimmten Umständen auch Pflegegeld im EWR-Raum inklusive der Schweiz ausgezahlt wird. Aber wer zum Beispiel bereits Pflegezulagen bekommt, muss auch davon ausgehen, dass diese Leistung direkt auf das Pflegegeld angerechnet wird. Dadurch kann sich der Auszahlungsbetrag insgesamt vermindern.

Medikamente, Gebührenbefreiung und Altersarmut

Da Medikamente äußerst teuer sind, gibt es auch hier Angebote, um der Altersarmut ein Stück weit entgegenzuwirken: Für pflegebedürftige ältere Menschen kann es eine Befreiung von Rezeptgebühren geben, auf Antrag oder ohne Antrag. Bestimmte betroffene Zielgruppen müssen keinen Antrag stellen: Dazu zählen Pensionisten mit Anspruch auf Ausgleichszulage, Patienten mit übertragbaren Krankheiten, Zivildiener sowie Asylwerber in Bundesbetreuung. Man kann auch einen Antrag stellen, wenn man nicht zur genannten Zielgruppe gehört; Dafür darf das Nettoeinkommen der Hausgemeinschaft bestimmte Richtsätze nicht überschreiten und in diesem Fall wird ein hoher Medikamentenbedarf miteinkalkuliert.

Nebenbei gut zu wissen: Es gibt auch eine Rezeptgebührenobergrenze. Wenn diese erreicht wurde, wird man ebenfalls von den Rezeptgebühren befreit. Sozialversicherungen verfolgen die bezahlten Rezeptgebühren auf einem Konto. Für den Fall, dass die gesamt bezahlten Rezeptgebühren das Jahresnettoeinkommen von 2% erreichen, wird man von der Gebühr für das restliche Kalenderjahr automatisch befreit.

Pflegeheim und Altersarmut

Da Pflegeheime im Regelfall sehr teuer sind und nicht von jedem finanziert werden können, gibt es in Österreich momentan die Möglichkeit, dass der offene Geldbetrag durch Zuschüsse aus der Sozialhilfe abgedeckt werden kann. Demnach können auch Betroffene von Altersarmut einen Platz im Pflegeheim beanspruchen. Wichtig für den Zuschuss ist, dass das Pflegeheim von der Landesregierung des Bundeslandes nach dem Sozialhilfegesetz anerkannt wird. Im Falle eines Aufenthalts im Pflegeheim ist der anfallende Kostenbeitrag im Regelfall direkt von den Bewohnern zu zahlen. Allerdings unterliegen die Kosten bestimmten Grenzen. Das bedeutet, dass dem Bewohner für sein Privatleben mindestens 20% der Pension plus Sonderzuschüsse sowie monatliches Taschengeld von 46€ aus dem Pflegegeld zustehen.

Soziale Hilfseinrichtungen für (Alters-)armut

Eine andere Unterstützungsmöglichkeit wird von Hilfsorganisationen angeboten. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, sich selbst ehrenamtlich in diesen Organisationen zu engagieren und armutsgefährdete Menschen aktiv zu unterstützen. Des Weiteren kann man sich auch über Spenden für Betroffene von Altersarmut einsetzen und helfen.

  • Die Armutskonferenz: Ein soziales Hilf-Netzwerk, welches sich allgemein für die Lebensverbesserung von Menschen in Armut einsetzt und zusätzlich Beratungsgespräche anbietet. Organisationen wie die Armutskonferenz erarbeiten aktiv Kampagnen, um über Armut aufzuklären. Sie fordern Veränderungen in den politischen Strukturen, damit den Betroffenen wirklich geholfen wird. Zu den Forderungen zählen allgemein eine gute soziale Infrastruktur und genügend Einkommen, um damit zu leben. Jeder kann sich anmelden und selbst zu einer besseren Welt beitragen: Kampagnen mitgestalten und Menschen mit Armutserfahrungen helfen.
  • Die Caritas-Stiftung: Die Stiftung bietet ebenfalls Beratungsgespräche und Unterstützungsangebote für Menschen in Armut. Die Caritas hat einige Hilfsangebote für pflegebedürftige Senioren. Dazu zählt die Vermittlung von 24 Stunden Pflege sowie Hauskrankenpflege. Nebenbei gibt es auch noch das Plaudernetz, wo sich einsame Menschen von ihrem Zuhause aus unterhalten können.
  • Der Österreichische Seniorenbund (ÖSB): Ein Interessensverbund, welcher sich für Pensionisten engagiert und zusätzlich aktive Veränderung bei bestimmten gesetzlichen Regelungen fordert. Dazu gehören Forderungen nach Senkung der Lohn- und Einkommensabgaben und umfassender Schutz vor Altersarmut sowie die Sicherstellung eines würdevollen Lebens. Hinzu kommen ebenso Angebote wie Reise- und Sportangebote und weitere kulturelle Veranstaltungen vor Ort. Auf der Homepage des ÖSB kann man sich registrieren und selbst Vereinsmitglied werden.
  • Das rote Kreuz: Auch das rote Kreuz stellt Hilfsangebote zur Verfügung einschließlich der Möglichkeit, sich selbst ehrenamtlich zu engagieren. Es gibt für jedes Bundesland unterschiedlich viele Angebote, die man online nachlesen kann. Dazu zählt beispielsweise Hilfe bei der Wohnungssuche.
  • Die Diakonie: Eine weitere Organisation, welche sich für Menschen in Not einsetzt und Unterstützungsangebote liefert. Sie vertreten im Hinblick auf Gefährte von Altersarmut bestimmte politische Forderungen wie die Anpassung des Pflegegeldes an die Teuerungsrate von Produkten/Leistungen. Auch hier kann man sich selbst ehrenamtlich oder als Zivildiener engagieren.
  • alt.arm.weiblich: Ist eine Webseite, welche speziell für armutsbetroffene Frauen eine Anlaufstelle darstellt. Nebenbei berichtet sie auch über persönliche Geschichten aus dem Leben in Armutsverhältnissen und versucht so auf Armut aufmerksam zu machen.
  • OECD: Allgemein setzt sich auch die EU-Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für eine bessere Welt und bessere Lebensumstände im Zusammenhang mit Politik, Wohlstand und Lebensqualität ein. Dementsprechend zählt auch der Kampf gegen Altersarmut zu ihren Zielen. Mithilfe ihrer Arbeit versuchen Sie der Politik Empfehlungen mitzugeben und damit speziell die internationale Setzung von Standards zu unterstützen.

Auch auf Ebene der Politik können die Bürger mitbestimmen und sich aktiv für ihre persönlichen Ziele einsetzen, indem sie an den Wahlen teilnehmen. Auf der politischen Ebene setzen sich vor allem die zwei Parteien die Grünen und die SPÖ mit dem Problem der Altersarmut auseinander und versuchen diese aktiv einzudämmen.


Alternative Lebensumstände bei Armut im Alter

Ein paar ältere, vitale Menschen wollen in der Pension arbeiten; Andere müssen in ihrer Pension einer Arbeit nachgehen, um nicht in Armutsverhältnissen zu leben. Allerdings können viele ältere Menschen nicht länger einem Job nachgehen.

Wohngemeinschaft und Gemeindebau

Für ältere Einzelpersonen ohne Kinder, welche aus irgendeinem Grund keine staatlichen Zuschüsse bekommen und nur von einer kleinen Pension leben, wäre es eine Möglichkeit, auch im Alter noch Alternativen anzustreben und durch das Leben in einer Wohngemeinschaft Geld zu sparen. Vorhaben dieser Art bieten einige Vorteile: Erstens hat man einen Gesprächspartner und fühlt sich weniger allein. Zweitens kann man sich gegenseitig weiterhelfen und bei Alltagsproblemen unterstützen. Drittens kann man sich dann das vorhandene Geld besser einteilen und durch gemeinsame Essensversorgung zusätzlich Geld sparen. Somit hat man eine von mehreren alternativen Wohnmöglichkeiten gefunden, um besser mit der Altersarmut zu leben.

Eine weitere Alternative für Menschen, die lieber für sich bleiben, aber nicht genügend Einkommen haben, wäre eine Gemeindewohnung. Dieses Angebot wird in verschiedenen Städten/ Gemeinden Österreichs angeboten und soll billiges Wohnen unterstützen. Dazu müssen allerdings je nach Bundesland unterschiedliche Voraussetzungen erfüllt sein. In Wien muss man beispielsweise vorher 2 Jahre am selben Wohnort wohnen und das Einkommen darf eine bestimmte Grenze nicht überschreiten. Mittlerweile kommen immer mehr neue Varianten für billiges Wohnen auf dem Markt. Dazu zählt auch die Tiny-House-Bewegung. Das Konzept umfasst kleine bis große Wohnflächen, die man mieten oder kaufen kann.

Armut im Alter: günstig Essen

Im Hinblick auf Essensangebote gibt es unterschiedliche Anlaufstellen, wo man gratis/günstig Essen erwerben kann. Vor allem in der Bundeshauptstadt Wien gibt es einige Angebote für finanziell eingeschränkte Personen und Betroffene von Altersarmut: Dazu zählt der FOODPOINT Sozialmarkt in Floridsdorf, wo man zu äußerst günstigen Preisen Lebensmittel kaufen kann, welche aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr im Lebensmittelhandel verkauft werden können. Außerdem bietet die Team Österreich Tafel eine weitere Anlaufstelle für gratis Essen, wofür es beispielsweise in der Hauptstadt einige Anlaufstellen zur Essensausgabe gibt. Vor allem in Großstädten gibt es zudem auch Suppenküchen, wo man im Regelfall gratis oder äußerst günstig Essen kann.

Teilhabe statt Einsamkeit im Alter

Anstatt jeden Tag einsam Zuhause zu sitzen, gibt es auch die Möglichkeit, ein Senioren-Café zu besuchen und sich dort mit anderen zu treffen. In Wien gibt es beispielsweise ein Café namens Vollpension, das allgemein von Senioren geführt wird. Die Vollpension hat einige Angebote für die ältere Generation. Dazu zählt die Gelegenheit, sich etwas dazu zu verdienen, einen Weg aus der Einsamkeit zu finden, eine Chance, ihre Backkünste einzusetzen und zusätzlich einen Dialog zwischen Generationen herzustellen. Während Corona-Zeiten kann man für kleine Unterstützungsbeiträge online Backkurse belegen und Geheimrezepte erfahren und dadurch die Senioren unterstützen. Damit versucht die Vollpension der Armut im Alter aktiv entgegenzuwirken und Einsamkeit zu bekämpfen.

Damit Senioren auch in Corona Zeiten nicht vereinsamen, können sie sich bei online Portalen anmelden und kostenlos über eine Plattform mit anderen Gleichgesinnten in Kontakt treten. Dazu zählt senioren-online.at und seniorenweb.org. Aber auch spazieren im Freien sollte nicht fehlen, denn Frischluft schadet keinem. Allgemein kann man auch auf Spaziergängen anderen Menschen begegnen und gut Kontakte knüpfen. Wenn Ihnen dieser Beitrag gefallen hat, gefällt Ihnen vielleicht auch der Beitrag zum Thema alternatives Leben – Leben mit wenig Geld.


Artikel von Nina Göttfried

Beitragsbild: unsplash.com / Vlad Sargu

Altersarmut in Österreich - Hilfsangebote by Nina Göttfried is licensed under CC BY-NC-ND 4.0


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