FUKUSHIMA Kernschmelze 2011 - 11. März

Das zerstörte Kraftwerk in Fukushima nach dem Unfall
Wiki | IAEA Imagebank - CC BY-SA 2.0

Was ist in ➡️ Fukushima passiert? - Eine kritische Analyse

Am 11. März 2011 ereignete sich vor der nordöstlichen Küste Japans ein Erdbeben der Stärke 9, gefolgt von einem verheerenden Tsunami. Diese Flutwelle traf auch das Fukushima-Daiichi-Kernkraftwerk und löste eine der schwerwiegendsten nuklearen Katastrophen aus. Der Tsunami überflutete die Anlagen des Kraftwerks, was zu einem kompletten Stromausfall führte.

Der Verlust der Stromversorgung hatte katastrophale Folgen für die Reaktoren. Ohne Strom waren die Kühlsysteme nicht mehr funktionsfähig, was dazu führte, dass die Temperaturen in den Reaktorkernen anstiegen. In den Reaktoren 1, 2 und 3 kam es infolgedessen zu teilweisen Kernschmelzen, wobei der Kernbrennstoff schmolz.

Die unkontrollierte Erwärmung der Reaktoren führte zur Bildung von Wasserstoffgas. Die daraus resultierenden Explosionen verursachten erhebliche Schäden an den Gebäuden, in denen sich die Reaktoren befanden, und trugen zur Freisetzung von radioaktiven Substanzen bei.

Bessere Welt Info beschäftigt sich kritisch mit der Katastrophe von Fukushima. Schaut auf die Folgen für Mensch oder Natur und die internationalen Reaktionen, die sich daraus ergaben. Abschließend beschäftigen wir uns mit den Lehren, die sich aus dem Unfall ergeben und welche Schlüsse wir daraus hinsichtlich unserer Energieversorgung ziehen sollten. - Auf unserer Schwesterseite Better World Info finden sich zudem englische Beiträge zum Thema. 

 

Eine Grafik zur Katastrophe von Fukushima
statista 2021

Was sind die Folgen von Fukushima für Japan?

Die japanische Regierung erklärte den atomaren Notstand und ordnete die Evakuierung der Bevölkerung im Umkreis von 20 Kilometern um das Kernkraftwerk an. Durch die Flutwelle wurden Hunderttausende Häuser zerstört, eine halbe Million Menschen verloren hier Zuhause und etwa 20.000 ihr Leben. Noch heute gibt es eine 300 Quadratkilometer große Sperrzone. Bis 2020 konnten gerade einmal 26 Prozent der evakuierten Menschen in ihre Wohnorte zurückkehren. 

Die nukleare Katastrophe hatte direkte Auswirkungen auf die Gesundheit der betroffenen Bevölkerung. Strahlenkrankheiten, erhöhte Krebsrisiken und andere gesundheitliche Probleme wurden bei einigen Bewohnern beobachtet. Bei Untersuchungen zu Schilddrüsenkrebs bei Kindern wurden im betroffenen Gebiet 20-mal mehr Fälle als die Basisinzidenz registriert (aerzteblatt 2021). Allerdings sind diese Untersuchungen umstritten und werden teilweise dementiert. Zu anderen Erkrankungen wie Leukämie oder Fehlbildungen gibt es keine Langzeituntersuchungen – trotz Kritik von Fachleuten. Die psychologischen Auswirkungen der Unsicherheit und des Traumas durch die Evakuierung und den Verlust von Lebensgrundlagen sind ebenfalls beträchtlich. Die Rate an Depressionen, Suizidalität und Posttraumatischen Belastungsstörungen ist unter den evakuierten Menschen weiterhin erhöht (Zeit 2015). 

Die Freisetzung von radioaktiven Substanzen hatte auch erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt. Boden, Wasser und Luft wurden kontaminiert, was zu langfristigen ökologischen Schäden führte. Die Fischerei in der Region ist stark beeinträchtigt, denn laut Untersuchungen ist das Meer um Fukushima hochgradig versucht. 2023 hat Japan trotz Protesten von Fischern und Nachbarländern begonnen, das aufbereitete Kühlwasser aus der Atomruine ins Meer zu leiten. Greenpeace spricht von einer "bewussten Wasserverschmutzung mit radioaktiven Substanzen" (Greenpeace 2023). 

Bei Untersuchungen der in den betroffenen Gebieten lebenden Tieren und Pflanzen wurden zudem Zellschädigungen, erhöhte Mutationsraten und Populationsrückgänge beobachtet. Andererseits zeigt sich, dass sich durch die Speerzone und die Abwesenheit der Menschen ein deutlicher Anstieg der Wildtierpopulation vollzogen hat. 

 

Eine Gruppe Wissenschaftler in Schutzanzügen auf dem Gelände von Fukushima
Wiki | Nuclear Regulatory Commission - CC BY 2.0

Was sind die Folgen für Deutschland und andere Länder?

Viele Länder reagierten auf die Fukushima-Katastrophe, indem sie ihre eigenen Atomkraftwerke überprüften und ihre Sicherheitsstandards überarbeiteten. Einige Länder, darunter Deutschland oder Italien, beschlossen sogar, aus der Kernenergie auszusteigen oder ihre bestehenden Pläne für den Ausbau der Kernkraft aufzugeben. 2023 wurden die drei letzten AKWs in Deutschland abgeschaltet. Die Frage, wie der jahrelang erzeugte Atommüll gelagert werden soll, beschäftigt die deutsche Politik allerdings nach wie vor. 

Internationale Organisationen wie die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spielten eine Rolle bei der Überwachung und Bewertung der globalen Auswirkungen der Fukushima-Katastrophe. Es wurden verstärkte Anstrengungen unternommen, um gemeinsame Standards für die Sicherheit von Kernkraftwerken zu entwickeln und die internationale Zusammenarbeit in Bezug auf nukleare Sicherheit zu stärken - bislang allerdings mit mässigen Erfolg.

Denn nach wie vor setzen viele Länder in Europa auf Atomenergie. Belgien hat zuletzt die Laufzeit seiner AKWs verlängert; Polen und Tschechien planen, neue Atomkraftwerke zu bauen. Frankreich, das mit 56 Meilern bereits die Hälfte aller AKWs in der EU betreibt, plant eine Laufzeitverlängerung von 60 Jahren und 6 Neubauprojekte bis 2035. Dabei wird immer wieder auf die gute Klimabilanz von AKWs und den geringen CO2-Ausstoß verwiesen. Die Gefahren und Risiken werden dabei gern verschwiegen – doch wie der Ernstfall aussehen kann, haben Tschernobyl und Fukushima eindrücklich bewiesen. 

 

Lehren aus der Katastrophe von Fukushima

Eine verbesserte Risikobewertung und Planung im Vorfeld der Errichtung des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi hätte dazu beigetragen, die Anlagen besser gegen Naturkatastrophen zu schützen. Insbesondere die Tsunamisicherheit der Anlage war unzureichend eingeschätzt worden. Eine sorgfältige Analyse der geologischen und meteorologischen Bedingungen wären erforderlich gewesen.

Weltweit sollten daher fortschrittliche Sicherheitstechnologien und -systeme implementiert werden, um die Robustheit von Kernkraftwerken zu erhöhen. Verbesserte Kühlmechanismen, Schutzmaßnahmen gegenüber externen Einflüssen und fortschrittliche Notfallmaßnahmen könnten dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit von Kernschmelzen zu minimieren und die Auswirkungen im Falle eines Unfalls zu begrenzen.

Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit einer ständigen Überwachung und Wartung von Atomkraftwerken. Regelmäßige Inspektionen, Wartungsarbeiten und Aktualisierungen der Sicherheitssysteme sind unerlässlich, um sicherzustellen, dass die Anlagen den neuesten Standards entsprechen und auf aktuelle Risiken vorbereitet sind. Auch in Fukushima hätten zusätzliche Sicherheitssysteme das Schlimmste verhindern können. Dass diese nicht umgesetzt wurden, lag am Profitstreben der Atomindustrie und der mangelnden staatlichen Aufsicht.

Darüber hinaus sollte die internationale Zusammenarbeit gestärkt werden, um bewährte Praktiken und Erkenntnisse im Bereich der nuklearen Sicherheit zu teilen. Gemeinsame Standards und Richtlinien könnten dazu beitragen, die Sicherheit von Atomkraftwerken weltweit zu verbessern. Die Programme der IAEO bieten dafür die Grundlage nuklearer Sicherheit - scheitern aber oft noch an den Alleingängen staatlicher Politik und geopolitischen Interessen. 

 

Eine Fahne gegen Atomkraft auf einer Demo
Flickr | Simon Engel - CC BY-NC 2.0

Eine Bessere Welt ohne Atomkraft

In Bezug auf Atomenergie insgesamt ist eine umfassende und offene öffentliche Diskussion über die Risiken und Vorteile erforderlich. Nach wie vor laufen weltweit 440 Meiler – Tendenz steigend. Transparente Informationspolitik, Beteiligung der Bürger und eine demokratische Entscheidungsfindung sollten integrale Bestandteile sein, um sicherzustellen, dass die aktuelle Nutzung der Atomenergie den Bedürfnissen der Gesellschaft gerecht wird und mit höchster Sicherheit betrieben wird.

Gleichzeitig sollte die Forschung und Entwicklung im Bereich erneuerbarer Energien gefördert werden, um Alternativen zu liefern und langfristig auf nachhaltigere Energiequellen umzusteigen. Denn trotz seiner guten Umweltbilanz sind die AKWs mit Problemen behaftet: Das Endlager-Problem besteht nach wie vor, die Gefahr gesundheitlicher Folgen für die Zivilbevölkerung und die Weitergabe von sensiblen Daten über Atomtechnik, die auch für Nuklearwaffen nutzbar sind. Hinzu kommt, dass kaum eine Versicherung bereit ist, die Anlagen mit ihren Risiken zu versichern. Im Falle einer Katastrophe haften daher die Bürger - mit ihren Steuergeldern. 

Doch selbst wenn man von den sonstigen Gefahren absieht; um den Energiebedarf durch Atomkraft zu decken, bräuchte es viel mehr Kraftwerke oder neue Konzepte wie die "Small Modular Reactors", die allerdings bislang nur auf Plänen existieren. Schlussendlich sind das Gelder, die im Kampf gegen die Klimakrise sinnvoller genutzt werden könnten. Mit der Methode des Atomkraft-Ausbaus ist dies nicht zu schaffen – schon alleine wegen des immensen finanziellen und zeitlichen Aufwands für den Bau neuer AKWs. 

Bessere Welt Info verweist daher auf die Vorteile und Chancen erneuerbarer Energien und wirbt für deren Ausbau und Finanzierung jetzt. Wirkungsvoller Klimaschutz muss zeitnah umgesetzt werden, um die Erde vor den verheerenden Umweltschäden zu bewahren, die sich bereits jetzt durch Überflutungen, Hitzewellen oder Ernteausfällen äußern. Die konsequente und entschlossene Hinwendung zu erneuerbarem Energie scheint da aktuell der einzige Ausweg zu sein. Sie sind mittlerweile so günstig wie nie und können so schnell ausgebaut werden, dass bereits 2035 ein CO2-neutrales Stromsystem möglich wäre (klimareporter 2021).  

Autor: Maximilian Stark 22.02.24, lizenziert unter CC BY-NC-SA 4.0

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