Tierrechte

Demo Tierrechte
Bones64 - Pixabay

Ratgeber zu Tierrechten

„Wenn es um Schmerz, Liebe, Freude, Einsamkeit und Angst geht, ist eine Ratte gleich einem Schwein, einem Hund, einem Jungen. Jeder von ihnen schätzt sein Leben und kämpft dafür.“

Ingrid Newkirk, Gründerin von PETA USA

Die Geschichte der Tierrechte erstreckt sich über Jahrhunderte und spiegelt die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins gegenüber anderen Lebewesen wider. Lange Zeit wurden Tiere als reine Ressourcen betrachtet, ohne eigene Rechte oder moralischen Status. Im 19. Jahrhundert begannen einige Denker, wie Jeremy Bentham, die Idee voranzutreiben, dass das Leiden von Tieren genauso berücksichtigt werden sollte wie das von Menschen. Der englischen Humanisten und Reformer Henry Salt prägte den Begriff "Tierrechte" im späten 19. Jahrhundert und setzte sich für ethischen Vegetarismus ein.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts gewannen Tierrechtsbewegungen weltweit an Fahrt. Gesetze wurden erlassen, um den Schutz von Tieren sicherzustellen, und Organisationen wurden gegründet, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Heute stehen Tierrechte im Zentrum globaler Diskussionen über Ethik, Umweltschutz und nachhaltige Lebensweisen. Die Herausforderung besteht im Abwägen zwischen menschlichen Bedürfnissen und dem Wohl der Tiere .

 

Hand und Pfote
Pezibear - Pixabay

Was sind Tierrechte?

Tierrechte bezeichnen die Idee, dass Tiere intrinsischen Wert und moralische Rechte besitzen, unabhängig von ihrem Nutzen für den Menschen. Dieses Konzept basiert auf der Überzeugung, dass Tiere fähig sind zu fühlen, Schmerz zu empfinden und ein eigenständiges Wohlbefinden zu haben. Tierrechte befürworten den Schutz vor Ausbeutung, Grausamkeit und Missbrauch. Dazu gehören das Recht auf Leben, Freiheit und ein Leben ohne unnötiges Leiden. Tierrechtsaktivisten setzen sich für den ethischen Umgang mit Tieren in allen Bereichen ein, sei es in der Landwirtschaft, Forschung, Unterhaltung oder als Haustiere. Dieses Konzept fordert eine Neudefinition der Mensch-Tier-Beziehung, weg von rein utilitaristischen Ansätzen, hin zu einer Anerkennung der individuellen Interessen und Rechte der Tiere. Tierrechte sind somit Teil eines globalen Dialogs über Ethik, Nachhaltigkeit und Mitgefühl gegenüber allen Lebewesen.

Warum brauchen wir dringend Tierrechte?

In Deutschland ist der Tierschutz verfassungsrechtlich im Grundgesetz festgeschrieben. Damit haben Tiere jedoch keinen unmittelbaren Rechtsanspruch, sondern sollen vorrangig geschützt werden. Auch gelten Tiere laut Grundgesetz in Deutschland zwar nicht als Sachen, können aber wie Sachen behandelt werden. Menschen können sie besitzen und für ihre eigenen Zwecke benutzen und töten. Tiere haben keine gesetzlich festgeschriebenen Grundrechte wie das Recht auf Leben oder das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit. Obwohl wir längst wissen, dass Tiere genau wie wir Menschen Bedürfnisse haben und leiden können, dürfen sie weiterhin für menschliche Zwecke misshandelt und getötet werden – laut Tierschutzgesetz braucht es dafür lediglich einen „vernünftigen Grund“, also einen Nutzen für den Menschen.

In Deutschland haben Tiere keine Grundrechte und dürfen zur Nahrungsmittelproduktion, für Tierversuche oder aus wirtschaftlichen Gründen geopfert werden. Allein für die Fleischproduktion werden in Deutschland jedes Jahr 800 Millionen Landlebewesen getötet – die meisten von ihnen nach einem Bruchteil ihrer natürlichen Lebenserwartung. Auch hier zeigt sich der Speziesismus in unserer Gesellschaft deutlich: Während viele Menschen es entsetzlich finden, wenn jemand einen Welpen tötet, konsumieren dieselben Menschen oft das Fleisch von Tierkindern wie Lämmern oder Kälbern.

Tierrechtsverstösse melden

Das örtliche Veterinäramt ist dafür zuständig, wenn das Tierschutzgesetz nicht eingehalten wird. Notieren Sie sich den Ort und die Zeit. Wenn immer möglich, machen Sie Fotos. Notieren Sie sich Autonummern und Anschriften, auch von Zeugen. In akuten Notsituationen oder einem eindeutigen Fall von Tierquälerei können Sie direkt Strafanzeige bei der Polizei oder bei der Staatsanwaltschaft stellen. Das ist für Sie nicht mit Kosten verbunden und trägt, dazu bei, Tierquäler*innen für ihr Verhalten zur Verantwortung zu ziehen.

 

Affe hinter Gittern
Alexis_Fotos - Pixabay

Tierrechte sind nicht gleich Tierschutz

Der Unterschied zwischen Tierrechten und Tierschutz liegt in der grundlegenden Perspektive und den zugrunde liegenden Zielen. Der Tierschutz konzentriert sich in erster Linie darauf, das Wohlbefinden von Tieren sicherzustellen und sie vor Grausamkeit, Vernachlässigung und Misshandlung zu schützen, ohne notwendigerweise ihre grundlegenden Rechte anzuerkennen. Tierschutzgesetze und -organisationen zielen darauf ab, humane Standards für die Behandlung von Tieren festzulegen und durchzusetzen, ohne jedoch prinzipiell die Nutzung von Tieren zu hinterfragen.

Auf der anderen Seite beziehen sich Tierrechte auf die Anerkennung von intrinsischen Rechten für Tiere, die über den Schutz vor Misshandlung hinausgehen. Tierrechtsaktivisten streben danach, Tieren grundlegende Rechte zuzuerkennen, wie das Recht auf Leben, Freiheit und ein Leben ohne unnötiges Leiden. Dies könnte eine radikale Umgestaltung der Beziehung zwischen Mensch und Tier erfordern, die bestimmte Formen der Nutzung von Tieren, wie in der Landwirtschaft, Unterhaltung und Forschung, in Frage stellt. Insgesamt repräsentieren Tierschutz und Tierrechte unterschiedliche Ansätze im Bestreben, das Wohlbefinden von Tieren sicherzustellen und die Mensch-Tier-Beziehung zu gestalten.

 

Demo Tierversuche
Flickr

Welche Organisationen setzen sich für Tierrechte ein?

Weltweit gibt es zahlreiche Organisationen, die sich unermüdlich für Tierrechte einsetzen. PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) ist eine der bekanntesten, die durch Aufklärung, Lobbyarbeit und Aktionen gegen Tiermissbrauch kämpft. Die Humane Society International widmet sich global dem Schutz von Tieren durch Rettungsaktionen und Kampagnen. Animal Equality setzt sich durch Ermittlungen und multimediale Kampagnen für die Beendigung der Ausbeutung von Tieren in der Landwirtschaft ein. Der World Animal Protection Fonds setzt sich für den Schutz von Wildtieren und Nutztieren weltweit ein. Diese Organisationen spielen eine entscheidende Rolle dabei, Bewusstsein zu schaffen, Gesetze zu beeinflussen und konkrete Maßnahmen zum Wohl der Tiere zu ergreifen. Ihre Arbeit trägt dazu bei, eine Welt zu schaffen, in der Tiere vor Ausbeutung, Misshandlung und Vernachlässigung geschützt sind.

Tiere in der Ernährungsindustrie

Es existiert keine ethisch vertretbare Methode, Tiere zu nutzen. Insbesondere in der Nahrungsmittelproduktion zeigt sich dies deutlich: Die Mehrheit der Tiere, die für die menschliche Ernährung gezüchtet werden, lebt unter Bedingungen konventioneller Massentierhaltung, hauptsächlich aus Kostengründen. Viele dieser Tiere erleiden Krankheiten und sterben aufgrund der überfüllten und unsauberen Zustände in der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Dennoch bleibt es wirtschaftlich attraktiver, Fleisch, Milch und Eier auf diese Weise zu "produzieren".

Tiere in der Heimtierindustrie

Können wir Haustiere wie Hunde und Katzen halten, ohne Tiermissbrauch zu fördern? Die traurige Bilanz zeigt, dass viele Züchter ihre Tiere nicht in liebevolle, dauerhafte Zuhause vermitteln können. Qualzuchten werden trotz Tierschutzgesetzen weiterhin produziert, was zu lebenslangem Leiden führt. Die meisten Heimtiere stammen aus Massenzuchten, die reinrassige Tiere in großen Mengen und kostengünstig produzieren. Trotz guter Absichten verschärfen Züchter die Überpopulation, während Tausende Tiere in Tierheimen vergeblich auf ein Zuhause warten oder in anderen Ländern getötet werden. Jede Form der Zucht greift in die körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung der Tiere ein.

Tiere in Versuchslaboren

Die Bedingungen in Tierversuchslaboren bedeuten für die Tiere durchgehend Stress und Angst. Die durchgeführten Tests sind äußerst schmerzhaft oder führen gar zum Tod. In vielen Fällen werden keine Schmerzmittel verabreicht, da dies das Risiko birgt, die Versuchsdaten zu verfälschen.

Einige Einrichtungen behaupten zwar, ein "Tierschutz-Protokoll" zu befolgen, aber wenige Spielzeuge in einem kargen Affenkäfig können die Interaktion mit Familie und Freunden nicht ersetzen, die das Tier in seinem natürlichen Umfeld hätte. Ähnlich wie in der Nahrungsmittelproduktion leiden Tiere in Laboren stets, unabhängig von der vermeintlichen "Menschlichkeit" der Vorschriften. Darüber hinaus liefern Tierversuche oftmals  Ergebnisse, die nicht auf den Menschen übertragbar sind.

 

 

Tierethik
Wirtschaftslexikon Gabler

Tierethik

Tierethik befasst sich mit moralischen Fragen im Umgang mit Tieren. Sie erforscht die ethischen Prinzipien, die bestimmen, wie Tiere behandelt werden sollten; sei es in Bezug auf Nutzung, Forschung, Unterhaltung oder den Schutz wild lebender Tiere. Tierethik reflektiert über das moralische Verhalten des Menschen gegenüber anderen Lebewesen und strebt an, gerechte und verantwortungsbewusste Richtlinien für den Umgang mit Tieren zu entwickeln, um ihr Wohlbefinden und ihre Rechte zu respektieren.

Tiere verdienen es, ein Leben frei von Leid und Ausbeutung zu leben. Wie Menschen empfinden sie Schmerz, Freude, Frustration, Einsamkeit, Langeweile und Mutterliebe.

So kannst du dich für Tierrechte einsetzen:

  1. Informiere dich: Bildung ist der erste Schritt. Lerne über Tierrechte, Tierethik und die aktuellen Herausforderungen im Umgang mit Tieren.
  2. Vegan leben: Die Entscheidung, vegan zu leben, ist eine der wirksamsten Möglichkeiten, sich für Tierrechte einzusetzen. Vermeide tierische Produkte in deiner Ernährung, Kleidung und anderen Konsumgewohnheiten.
  3. Unterstütze tierfreundliche Organisationen: Spende an Organisationen, die sich für den Schutz von Tieren einsetzen, wie PETA, Animal Equality oder lokale Tierschutzorganisationen.
  4. Teile Informationen: Nutze soziale Medien und andere Plattformen, um Informationen über Tierrechte zu teilen. Sensibilisiere Mitmenschen für die Herausforderungen, denen Tiere gegenüberstehen.
  5. Vermeide Tierversuche: Kaufe Produkte, die ohne Tierversuche hergestellt wurden. Achte auf entsprechende Kennzeichnungen und unterstütze tierversuchsfreie Unternehmen.
  6. Engagiere dich lokal: Suche nach Möglichkeiten, dich in deiner Gemeinde für Tierrechte einzusetzen. Das könnte die Teilnahme an Veranstaltungen, Petitionen oder lokalen Tierschutzprojekten beinhalten.
  7. Advokat für Gesetzesänderungen: Setze dich für Gesetze ein, die den Schutz von Tieren verbessern. Schreibe an politische Vertreter, unterstütze Petitionen und nimm an Lobbyaktivitäten teil.
  8. Fleischlose Alternativen fördern: Unterstütze Unternehmen, die pflanzliche Fleischalternativen entwickeln und fördern. Dies trägt dazu bei, die Nachfrage nach tierischen Produkten zu reduzieren.
  9. Bildungsarbeit leisten: Halte Vorträge, Workshops oder Seminare über Tierrechte an Schulen oder in der Gemeinde. Bildungsarbeit ist entscheidend, um das Bewusstsein zu schärfen.
  10. Tierheimunterstützung: Unterstütze örtliche Tierheime durch Freiwilligenarbeit, Spenden oder die Adoption von Tieren. Viele Tiere benötigen liebevolle Zuflucht und Pflege.
  11. Kritisch konsumieren: Überlege vor jedem Kauf, ob es tierfreundliche Alternativen gibt. Dies gilt nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für Kleidung, Kosmetikprodukte und andere Konsumgüter.
  12. Vernetze dich mit Gleichgesinnten: Trete Tierrechtsgruppen oder Online-Communities bei, um dich mit anderen Menschen zu vernetzen, die sich für Tierrechte interessieren. Gemeinsam kannst du mehr erreichen.
  13. Teile dein Wissen: Natürlich freuen wir uns, wenn engagierte Menschen ihr Wissen z.B. auf Bessere Welt Info mit anderen Tierfreunden teilen. Hier könnt ihr gemeinsam etwas bewegen!

Denke daran, dass auch kleine Schritte einen großen Unterschied machen können. Jeder Beitrag zählt im Kampf für die Rechte und das Wohlergehen der Tiere.

Unser Wunsch für die Zukunft

Wir wünschen uns eine Welt, in der Menschen die Tiere als fühlende Lebewesen betrachten und respektieren. Jede Handlung, die Auswirkungen auf die Bedürfnisse von Tieren hat, sollte von einer moralischen Verpflichtung begleitet sein, ihre Belange zu berücksichtigen. Wir sollten verstehen, dass Tiere einen intrinsischen Wert besitzen, der unabhängig von ihrem Nutzen für den Menschen existiert. Nur durch diese grundlegende Akzeptanz können wir eine Welt schaffen, in der Menschen und Tiere harmonisch zusammenleben. Es liegt in unserer Verantwortung, eine Gesellschaft zu gestalten, die von Mitgefühl, Respekt und einem tieferen Verständnis für die Bedürfnisse aller Lebewesen geprägt ist.

Autorin: Jasmin, 10.11.23, lizenziert unter CC BY-NC-SA 4.0

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