Kinder spielen in einem Park
Flickr | Angus Chan - CC BY 2.0

Klimaspiele

Wie Klimaspiele komplexe Zusammenhänge verständlich machen: Entdecke Formate von Daybreak bis En-ROADS für Schule, Workshops und Erwachsenenbildung.

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Flickr | Angus Chan - CC BY 2.0

Klimaspiele: Spielerisch den Klimawandel verstehen und nachhaltiges Handeln fördern

Klimaspiele, international als Climate Games bezeichnet, sind ein wichtiges Instrument der Klimabildung und der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Sie vermitteln komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge auf interaktive und verständliche Weise und machen die Folgen politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entscheidungen erlebbar. Statt den Klimawandel ausschließlich anhand von Zahlen und Fakten zu erklären, ermöglichen sie den Teilnehmenden, unterschiedliche Lösungsansätze auszuprobieren und deren Auswirkungen unmittelbar zu erfahren. Damit schaffen Klimaspiele einen praxisnahen Zugang zu einer der größten globalen Herausforderungen unserer Zeit.

Ein wesentlicher Vorteil von Klimaspielen liegt im Perspektivenwechsel. In Rollen- und Planspielen übernehmen die Teilnehmenden beispielsweise die Position von Regierungen, Industrieunternehmen, Umweltorganisationen oder Menschen aus besonders stark vom Klimawandel betroffenen Regionen. Dabei erleben sie, wie schwierig es sein kann, Klimaschutz, wirtschaftliche Interessen und soziale Gerechtigkeit miteinander zu vereinbaren. Gleichzeitig fördern die Spiele Verhandlungskompetenz, Empathie und die Fähigkeit, gemeinsame Lösungen zu entwickeln. Indem sie konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, können sie zudem das Gefühl der Ohnmacht angesichts der Klimakrise verringern und die persönliche Selbstwirksamkeit stärken.

Darüber hinaus fördern Klimaspiele das systemische Denken und helfen, die Wechselwirkungen zwischen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft besser zu verstehen. Die Spielenden setzen sich mit Rückkopplungseffekten, möglichen Kipppunkten und langfristigen Folgen kurzfristiger Entscheidungen auseinander. So werden komplexe Zusammenhänge wie der Zielkonflikt zwischen Wirtschaftswachstum und Emissionsreduktion anschaulich vermittelt. Als Methode der Klimabildung verbinden Klimaspiele Wissen mit praktischem Erleben und unterstützen damit den Aufbau von Gestaltungskompetenz und nachhaltigem Handeln – sowohl im schulischen Unterricht als auch in der Erwachsenenbildung und bei gesellschaftlichen Beteiligungsformaten.

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Flickr | David Baker - CC BY-NC 2.0

Kategorien von Klimaspielen

Je nach Zielgruppe, Setting und Bildungsziel kommen unterschiedliche Spielformen in der Klimabildung zum Einsatz:

A. Kartengestützte Mitmach-Formate (Co-creative Workshops)

  • Klima-Puzzle (Climate Fresk): Ein weltweit genutztes, 3-stündiges Workshop-Format. Teilnehmende verknüpfen 42 Karten (basierend auf den IPCC-Berichten) zu Ursache-Wirkung-Ketten. Stark kollaborativ und prozessorientiert.
  • Ecopolicy: Dieses haptische und computergestützte Strategiespiel schult das vernetzte Denken, indem die Mitspielenden ein virtuelles Land steuern und das empfindliche Gleichgewicht zwischen Politik, Wirtschaft, Sanierung, Umwelt und Lebensqualität ausbalancieren müssen.

B. Analoge Brett- und Kartenspiele

  • Keep Cool (Schacht & Eisenack): Klassiker der Klimaspiele. Spieler*innen vertreten Zielgruppen (Industrieländer, Entwicklungsländer, Wirtschaft, Umweltverbände) und müssen zwischen wirtschaftlichem Erfolg und Klimaschutz balancieren.
  • Daybreak (Eirich & Leacock): Ein kooperatives Brettspiel, bei dem die Spieler*innen gemeinsam globale Technologien und Politiken einsetzen müssen, um die Emissionen auf Null zu bringen, bevor Kipppunkte überschritten werden.
  • CATAN (Ölzeitalter): In dieser Erweiterung des Brettspiel-Klassikers stehen die Spielerinnen und Spieler vor dem Dilemma, das fossile Öl für ein schnelles Wirtschaftswachstum zu nutzen, während sie gleichzeitig das Risiko von Umweltkatastrophen und dem Anstieg des Meeresspiegels managen müssen.

C. Plan- und Rollenspiele

  • Weltklimaspiel (Weitblick): In diesem dreitägigen Großgruppen-Rollenspiel schlüpfen die Teilnehmenden in die Rollen von Entscheidungsträgern aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft, um auf einer begehbaren Weltkarte globale Ressourcen zu verwalten und nachhaltige Lösungen für den Erhalt des Planeten zu verhandeln.
  • World Climate Simulation: Dieses Rollenspiel simuliert eine UN-Klimakonferenz, bei der die Teilnehmenden in die Rollen verschiedener Länderdelegationen schlüpfen und ihre Verhandlungsergebnisse direkt mit dem Computermodell C-ROADS auf ihre globale Klimawirkung hin überprüfen lassen.
  • SIM-Umwelt: Bei diesem computergestützten Planspiel schlüpfen die Mitspielenden in unterschiedliche gesellschaftliche und politische Rollen, um die komplexen ökologischen und ökonomischen Zusammenhänge einer Region spielerisch zu steuern.
  • Model UN (COP Mocks): Diese nachgestellten UN-Klimakonferenzen lassen Jugendliche und junge Erwachsene als Diplomaten realer Staaten auftreten, um durch Debatten, Kompromisse und Resolutionen das internationale Verhandeln um globale Klimaziele hautnah zu erleben.

D. Digital unterstützte Planspiele & Simulationen

  • En-ROADS (Climate Interactive & MIT): Ein interaktiver Klimasimulator, der oft im Rahmen von Rollenspielen (z. B. nachgestellte UN-Klimakonferenzen) genutzt wird. Teilnehmende verhandeln Maßnahmen (CO₂-Steuer, Aufforstung, Erneuerbare), während die Simulation in Echtzeit die Temperaturerwärmung bis 2100 berechnet.
  • Fate of the World / Transport Tycoon-Varianten: Digitale Strategiespiele, die ökonomische und ökologische Parameter kombinieren.

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Flickr | No Nukes NW - CC BY 2.0

Klimaspiele lassen sich vielseitig in den Unterricht integrieren: In Geographie vermitteln Climate Fresk und En-ROADS wissenschaftliche Grundlagen und globale Klimaszenarien, während Keep Cool, Daybreak und Model-UN-Simulationen in Politik und Wirtschaft internationale Verhandlungen und Zielkonflikte veranschaulichen. Für Biologie und Umweltlehre eignet sich Ecopolicy, während das Weltklimaspiel Fragen der Klimagerechtigkeit und globalen Verantwortung aufgreift.

In der Primarstufe stehen einfache Mitmach- und Sortierspiele im Vordergrund, während Jugendliche der Sekundarstufe I mit Formaten wie Keep Cool und Climate Fresk erste komplexe Zusammenhänge erkunden können. Für ältere Schüler sowie Berufsschulen bieten Simulationen wie En-ROADS, die World Climate Simulation und das Weltklimaspiel vertiefte Einblicke in Klimapolitik, systemisches Denken und nachhaltige Entscheidungsprozesse.

Typischer Ablauf und Herausforderungen eines Klimaspiel-Workshops

Ein Klimaspiel entfaltet seine bildende Wirkung durch eine gezielte didaktische Rahmung. Der typische Ablauf umfasst drei Phasen: das Briefing, die Spielphase und das Debriefing. Zu Beginn werden das Szenario, die Spielregeln und die Rollen erklärt. In der anschließenden Spielphase treffen die Teilnehmenden Entscheidungen, verhandeln über Ressourcen und erleben Zielkonflikte sowie mögliche Wendepunkte, etwa durch Extremwetterereignisse. Den Abschluss bildet das Debriefing, die gemeinsame Reflexion des Erlebten. Dabei werden Emotionen und Erfahrungen aufgearbeitet, Bezüge zur Realität hergestellt und konkrete Handlungsmöglichkeiten für den Alltag und die Gesellschaft diskutiert. Diese Nachbesprechung ist entscheidend, um die Spielerfahrungen in nachhaltige Lernerkenntnisse zu überführen.

Klimaspiele müssen komplexe wissenschaftliche und politische Zusammenhänge vereinfachen, ohne dabei falsche Kausalitäten oder irreführende Vorstellungen von Klimaschutz zu vermitteln. Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass bei kompetitiven Formaten der Spielgewinn stärker in den Vordergrund rücken kann als die Suche nach nachhaltigen Lösungen. Ohne eine strukturierte Nachbesprechung besteht zudem die Gefahr, dass wichtige Lernerfahrungen verloren gehen oder die Teilnehmenden mit einem Gefühl der Hilflosigkeit zurückbleiben. Erst die gemeinsame Reflexion ermöglicht es, die Ergebnisse kritisch einzuordnen und auf reale Herausforderungen zu übertragen.

Tipp: Wir empfehlen das Weltklimaspiel für Schulen von Weitblick

Tipp: Klimaplanspiel von beteiligung.st und noch ein Klimaplanspiel von der Grünen Wirtschaft

Autor: Maximilian Stark, Datum: 13.10.26, lizenziert unter CC BY-SA 4.0